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Skateboarding in Beirut – Ein Reisebericht aus dem Libanon

Es ist Samstag Mittag. Ich stehe auf irgendeinem Parkplatz etwa 30 Minuten außerhalb von Beirut, auf einem der zahlreichen Hügel. Ian Massry, ein Freund von Ghassan, hat mir den Treffpunkt gemailt und holt mich nun ab, um mich zum DIY Spot im Country Club zu bringen – sprich in den Keller eines verfallenen Rohbaus. Dort befindet sich ein ehemaliger Basketballplatz, den sich die Skater erkämpft haben. Vor drei Jahren, als sie den Spot durch Zufall entdeckten, gab es noch Reibereien mit Kids, die hier Basketball spielten, erzählt Ian, aber mittlerweile sind die Körbe abmontiert und Obstacles stehen auf dem Court. Sieben Skater sind da und mehr sollen es laut Ian auch nicht unbedingt werden. Sie wollen den Spot möglichst geheim halten, denn die Fläche ist schnell zu voll.

Ich sehe Georges wieder, der seine Flips mit Steve Olson Styles rauszwirbelt. Carl, dem die Anderen, wie der Lampe eines Dschinn, als Glücksbringer über die Glatze streichen, versucht sich an Hardflip Backside Lipslides. Ich lerne Kareem kennen, dessen Mutter Deutsche ist und der deshalb auch schon öfter in Deutschland war. Er hat sich die Ferse verletzt und kann eigentlich nicht skaten. Das hält ihn aber nicht davon ab, zum Ende der Session Polegrinds in das Schwimmbecken vor dem Gebäude zu machen, auch wenn er bei jedem Fehlversuchen vor Schmerzen schreit. Ian, der in Kalifornien geboren und in Gambia aufgewachsen ist, leiht mir sein Board und ich drehe mit den Jungs ein paar Runden, bevor wir uns setzen und über Skateboarding philosophieren. Er zeigt mir die Videos die er (er studiert im Medienbereich) geschnitten hat. Mit einem davon hat er es in das Finale eines Red Bull Wettbewerbs geschafft.

Die Skater hier haben verstanden, dass sie solche Verhältnisse nur erhalten, wenn sie sie selbst schaffen

Er ist ein großer Fan von Pontus Alv und eigentlich sollte heute auch noch etwas betoniert werden. Er entschuldigt sich für den Zustand des Spots, denn von ihren Plänen wurde, seit sie Anfang des Sommers begonnen haben, bisher noch nicht so viel vollendet. Das Problem ist, dass sie einfach zu gerne Skaten und nach ein paar Handgriffen die Arbeit vergessen und sich auf’s Brett schwingen, sagt er. Aber die Pläne stehen und die Quarterpipe ist schon in Angriff genommen. Für den Weiterbau holen wir noch ein paar Steinplatten aus einem verfallenen Raum, bevor es zurück nach Beirut geht. Im Vorbeifahren zeigt mir Ian noch den 360 Park, von dem mir schon erzählt wurde. Auf den ersten Blick sieht er nicht so verpusht aus, wie ich gehört habe und einige Kids tummeln sich dort. Mittlerweile habe allerdings der Besitzer des Parks gewechselt, erzählt Ian, und der Neue, ein reicher Mann, hat gleich die Eintrittspreise hochgesetzt.

Wie sich zeigt ist es nicht einfach, Skateboarding im Libanon zu entwickeln. Unverständnis von Seiten der älteren Generation und der Politik, sowie Geldgier von möglichen Investoren stehen im Weg. Da blickt man neidisch auf Länder wie Dubai, die Parks, einen Skateshop mit Bowl oder Tashkeel besitzen oder Jordanien, die mit Philadelphia Skateboards eine eigene Company ihr Eigen nennen. Die Skater hier haben jedoch verstanden, dass sie solche Verhältnisse nur erhalten, wenn sie sie selbst schaffen. Es ist der DIY Spirit von Pontus Alv, der DIY Spirit den Skateboarding seit jeher besitzt, der sie antreibt und die Szene wachsen lässt. Leute wie Ghassan und Ian besitzen ihn auf jeden Fall und wenn sie so weitermachen, wird zukünftig Steve Nesser nicht der einzige bekannte Skater mit libanesischen Wurzeln bleiben. Als Ian mich absetzt, schlendere ich wieder an der Strandpromenade entlang zurück ins Hotel. Es ist dunkel geworden, aber im Schein der Straßenlaternen hat eine Gruppe Inliner eine Jumpramp und ein Flatrail aufgestellt. Die Jugend in Beirut sucht sich ihre Plätze und wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, der kann auch jetzt schon Wallride Spuren und geskatete Kanten erkennen. Skateboarding in Beirut wächst, weil die Skater dort ganz genau verstanden haben, auf was es ankommt.

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