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Skateboarding in Beirut – Ein Reisebericht aus dem Libanon

Es war auf dem Flug zum Vans Shop Riot in Leeds, als ich im Germanwings Bordmagazin einen Artikel über Beirut las. Darin wurde die Stadt am Mittelmeer in höchsten Tönen angepriesen. Da ich noch Urlaub übrig hatte und das Wetter in Deutschland gerade unaufhaltsam auf unter Null grad zusteuerte, überlegte ich nicht lange und buchte mir den nächstbesten Flug in den Libanon.

Der Plan war es, lediglich ein paar entspannte Tage zu verbringen, deshalb hab ich mein Board Zuhause gelassen und mache mich auf, Beirut zu Fuß zu erkunden. Mein Hotel liegt im Stadtteil Hamra und ist nur wenige Gehminuten vom Meer entfernt. Also beginne ich damit an der Promenade entlang zu schlendern und komme irgendwann am Yachthafen vorbei, der sich vor allem durch eins auszeichnet: Einen unglaublichen Curbspot. Auf geschätzten 2000qm erstreckt sich ein wahres Paradies, aber die herumstehenden Securities erwecken nicht den Eindruck, als ob sie Freunde des Rollbretts sind.

Nur ein paar Meter weiter allerdings höre ich vertrautes Klackern und sehe zwei Skater Manuals an einer Verkehrsinsel versuchen. Die Zwei, das sind Mazen Rishani, der Deutsch studiert und nächstes Jahr seine Cousine in Kostanz besuchen will, um die Betonparks am Bodensee zu skaten und Georges Schehade, der außerhalb Beiruts wohnt und Mazen besucht hat und mit ihm den ganzen Tag durch die Stadt geskatet ist. An jedem Spot seien sie verjagt worden, klagen sie und das hier sei der Letzte, der ihnen für heute geblieben ist. Zum Traumspot vor ihrer Nase entgegneten sie dem hoffnungsvoll-naiven Touristen nur lachend: „They kill you if you try to skate there.“

Mazen Rishani (li.) und Georges Schehade

Überhaupt gebe es kaum Spots in Beirut und wenn, dann hätten die Leute kein Verständnis dafür, dass dort geskatet wird. Gilt der Libanon auch sonst als liberal, Skatern gegenüber ist er das nicht. „Sie predigen zwar Demokratie, aber leben sie nicht, jedenfalls nicht wenn es um Skateboarding geht“, beklagt sich Georges. Sie haben z.B. immer wieder versucht einen Skatepark zu bekommen, aber die Stadt sieht keinen Nutzen darin und weigert sich einen zu bauen. Auch ein Skateshop existiert noch nicht so lange. Brach früher ein Board, musste man oft einen Monat warten, bis es ein Neues gab, erzählen sie, jetzt ist die Versorgung mit Stuff wenigstens gesichert und die Preise für Decks mit Grip liegen bei günstigen 60$ und sind erschwinglich für die, meist aus der Mittelschicht stammenden, Skater. Vorher bestand nur die Möglichkeit, Stuff sündhaft teuer über das Internet zu bestellen oder sich welchen mitbringen zu lassen, wenn Freunde im Ausland unterwegs waren.

In ganz Beirut gibt es etwa 100 Skater und das ist bei weitem die größte Szene im Libanon, die vielleicht aus 300 Skatern besteht

Mazen etwa unternahm vor zwei Wochen einen Trip nach Istanbul und ist immer noch begeistert von den dortigen Spots und der Szene. „200 Skater waren da an einem Platz. In ganz Beirut dagegen gibt es etwa 100 Skater und das ist bei weitem die größte Szene im Libanon, die vielleicht aus 300 Skatern besteht“ Dafür sei der Zusammenhalt der Jungs in Beirut viel stärker als anderswo auf der Welt und alle würden Skateboarding voll und ganz leben, erzählt er, schließlich müsse man es schon wirklich lieben, wenn man trotz dieser widrigen Bedingungen weitermacht. Wie sie denn überhaupt drauf gekommen sind damit anzufangen, frage ich sie, und wie aus einem Mund erhalte ich postwendend die Antwort: „Tony Hawks Pro Skaters!“

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