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Skateboarding in Beirut – Ein Reisebericht aus dem Libanon

Eine abenteuerliche Fahrt durch den chaotischen Rush Hour Verkehr später stehen wir in einer vor Marmor (und Weihnachtsbeleuchtung neben Palmen) nur so strotzenden Mall. Der Shop heißt „Kickflip“ und befindet sich im Untergeschoss. Rita Bayoud hat ihn eröffnet, weil ihre beiden Söhne skaten und sie sie unterstützen wollte. Man müsse den Kids nach dem langen Krieg doch neue Alternativen bieten, meint sie, und strotzt nur so vor Energie und überbordender Fröhlichkeit. Eine Freundin ist gerade da und hat unglaubliche 13 Tüten eingekauft. Weihnachten steht schließlich vor der Tür, erklärt sie augenzwinkernd. Auch einige Kids sind im Shop die wissen wollen, ob ich Ryan Lay kenne. Ich muss sie leider enttäuschen, aber die Freude ist dann doch noch groß, als ich erwähne dass ich immerhin Willow zu meinen Freunden zählen darf.

Guilbert Abi Rached

Kaum zurück in meinem Hotelzimmer erhalte ich einen Anruf von Guilbert Abi Rached. Ich habe ihm im Vorfeld meiner Reise geschrieben, weil ich bei meiner Google Suche „Skateshop Beirut“, auf seine Facebook-Adresse gestoßen bin. Er holt mich mit dem Auto ab und beginnt sofort wie ein Wasserfall zu erzählen. Er besitzt transportable Rampen und damit den einzigen Skatepark in Beirut. An ihnen gibt er, wie auch an Schulen, Unterricht für Kids. Eigentlich ist er Inliner. Er macht das seit fast 30 Jahren und seit fast 20 Jahren unterrichtet er (wobei die Inline Szene in den letzten Jahren geschrumpft ist, während es mit Skateboarding bergauf ging). Dazu war er extra in Amerika, um sich eine offizielle Lizenz zu besorgen (Er ist der einzige im Mittleren Osten der eine solche besitzt). Mittlerweile hat er auch eine eigene Board Firma, die er „Guilbert Extreme“ genannt hat. In den Gesprächen mit den anderen Skatern hat sich herausgestellt, dass sie Guilbert skeptisch gegenüberstehen und er weiß das – deshalb ist er sofort in Verteidigungshaltung. Er wolle der Szene nur Gutes tun, erzählt er, aber Dank erhält er dafür keinen. Er verweist darauf, wie viel von seinem eigenen Geld er in die Szene steckt, wie viele Skater er unterstützt und welche Projekte er vorantreibt um Skateboarding im Libanon größer zu machen, aber die Skater würden seine Absichten nicht anerkennen und nicht auf seine Ratschläge hören. Etwas außerhalb von Beirut etwa wurde ein Skatepark gebaut, ohne jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Viel Geld sei investiert worden, aber der Park nun verpusht und niemand würde ihn wirklich fahren.

Auch Ghassan und Bilal haben mir von dem Park (zu sehen im Clip unten) erzählt. Ihre Lösung ist es allerdings, zusammen mit Freunden in einem verlassenen Country Club (der Bauherr sitzt wegen Geldwäsche im Gefängnis) einen DIY Spot zu betonieren. Als Pontus Alv die Stadt besuchte (und dort auf Guilberts Rampen eine Demo fuhr) begann dieser Spirit zu wachsen. Guilbert sieht die Veranstaltung von damals aber immer noch skeptisch. Viel Geld sei damals bezahlt worden, aber den Großteil davon habe sich die vermittelnde Veranstaltungsagentur in die eigenen Taschen geschoben. Das Geld hätten eigentlich die Skater verdient (er behauptet auch, dass etwa Leute wie Bilal bei den Werbedeals ausgenutzt werden und weit mehr Kohle verlangen sollten) und er spricht immer wieder davon, dass er den Menschen im Libanon für diese Summe etwas Großes hätte bieten können, aber oft scheitere er damit an der Bürokratie, wie bei seinem Versuch den Beirut-Marathon mit einer Skate-Ralley aufzupeppen. Sein nächster Coup, der gerade für die Wintersaison in Planung ist (ja, gleich außerhalb von Beirut gibt es Berge, die sich ausgezeichnet zum Snowboarden eignen und es existiert eine starke Snowboard Szene), wird in Snowskates bestehen. Mit Skateboards, die statt Achsen kleine Skier besitzen. Damit wird er auch die Hater überzeugen, glaubt er. So verfolgt eben jeder seine eigenen Vorstellungen und es zeigt sich, dass selbst die kleinste Szene sehr divergent ist.

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