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MSM #293 – Momente: Neben der Spur

Es gibt oft einen gewaltigen Unterschied zwischen dem, was Skater an Skateboarding besonders schätzen und dem, was Laien daran beeindruckt. Denn für Nicht-Skater und Beginner, die angesichts des Rodney-Mullen-Videos aus Tony Hawk 2 in Ehrfurcht und Demut verfallen, ist oft vor allem ein Faktor entscheidend: „Der macht da was völlig anders als die anderen!“ Diesen „Andersmachern“ wollen wir diesen Artikel widmen. Skateboarding, weit weg von sauberen Nollie Heelflips, dafür manchmal inspirierend, oft amüsierend – und gelegentlich sogar richtungsweisend.

[Text: Philipp Schulte]

01.// Daniel Gezmer
Als im Jahre 1988 das vierte Powell-Video erscheint, bleibt neben den großen Powell-Namen, einem Mike V. in voller Blüte und den Rubber-Boys um Ray Barbee und Chet Thomas vor allem ein kurzes Video-Snippet im Gedächtnis hängen. In diesem erzählt ein gewisser Freestyler namens Daniel Gesmer, dass „Gliding and Turning“ für ihn die absolute Essenz, das Herz und die Seele von Skateboarding sind. Was folgt ist eine Mischung aus Ballett und Eiskunstlauf auf dem Skateboard, die die Kids damals vor Lachen rückwärts vom Sofa kippen lies. Und obwohl Dan über die Jahre Shit kassiert hat, sobald auch nur sein Name fiel, hat er an seiner Vision von „Gliding and Turning“ festgehalten. Heute gehört ihm die Achsencompany „Seismic Trucks“, deren Produkte mit Sprungfedern in der Lenkung besonders auf – ihr ahnt es – „Gliding and Turning“ ausgelegt sind.
Special Move: Gliding, Turning, Spandex-Hose

02.// Nate Sherwood
„Hate Nate!“ ist der kleinste gemeinsame Nenner so ziemlich aller Skate-Internetforen. Nicht erst seit Mr. Sherwood 2003 bei einem Game of SKATE ausschließlich Pressureflips gemacht hat, um dann von Mr. Koston mit einem Kickflip in die Knie gezwungen zu werden, hat er den zweifelhaften Ruf, in den 90ern hängengeblieben zu sein. Ein gewisser Flugsaurier-Style und Pressureflip-Tech-Wahnsinn an bordsteinhohen Curbs tun ihr übriges. Dafür hat er aber auch in einem Porno mitgespielt. Touché!
Special Move: Pressure 360 Laserflip. Und rappen.

03.// Simon Woodstock
Als Skateboardings OG Klassenclown war Simon in den 90ern vor allem dafür bekannt, sich Boards aus allem möglichen zu bauen, was er fand – Krücken, Surfbretter, Dartboards und für sein legendäres Big-Brother-Cover sogar ein Aquarium. Simon skatete Handrails in Anzügen komplett aus Penny-Münzen in einer Zeit, in der Skateboarding sich äußerst ernst nahm. Er wurde wegen einer kontroversen Ad seiner Company Woodstock Skateboards von Steve Rocco massiv verklagt und zog sich 1998 komplett aus dem Skateboard-Zirkus zurück. Heute studiert er Christliche Theologie und predigt in der Kirche.
Special Move: Beim Kickflip beide Schuhe verlieren

04.// Todd Falcon
Todd Falcon hat seinen Namen als Hommage an seinen ersten Helden Tony Hawk gewählt (der zweite ist Rodney Mullen) und nach eigenen Angaben mindestens 863 Mini-Ramp-Tricks erfunden. Seinem Big-Brother-Interview 2002 zufolge fühlt er sich auf seiner 1m Miniramp im Keller am wohlsten und ist auf der Mission, Freestyle und Miniramp-Skaten zusammenzubringen. Sein Falcon Slide hat es als Special Trick in THPS 4 geschafft. Weil sein Sponsor-Me-Tape an Birdhouse unbeantwortet blieb, hat Todd kurzerhand Falconskates gegründet, sein Pro-Model erschien 2009. Und wir haben wirklich nichts davon erfunden.
Special Move: Falcon Plant, Falcon Slide und mindestens 861 weitere

05.// Doug Brown
Doug Brown ist per Definition Pro-Skater – er hat ein Board mit seinem Namen drauf. Er ist zudem Musiker, Buchautor, Regisseur und einer jener besseren Menschen, die in Schulen gehen und Kids erklären, dass Drogen und Alkohol eine ziemlich miese Sache sind. Doug feuert aus jeder Jumpramp die tollsten Boneless- und Sweeper-Tricks und ist dermaßen totally rad, dass die mittlerweile dritte selbstproduzierte DVD und das erste eigens geschriebene Buch, die sein aufregendes Leben featuren, absolut notwendig ist. Wie, du hast noch nie von ihm gehört?
Special Move: Schamlose Selbstvermarktung und der „Doug Brown Helicopter“

06.// Richie Jackson
Als mit dem Death-Video „Squadrophenia“ 2004 der erste Part des Neuseeländers die Skateboard-Welt traf, war Richie Jackson trotz seiner beachtlichen Haarpracht und des eindrucksvollen Schnurrbarts gerade mal 19 Jahre alt. Sein Part brachte ihm einen massiven Buzz in den Blogs und einschlägigen Skate-Websites ein – was im Rückblick wenig verwundert, denn Richie fügte dem Cocktail aus kreativen und zuvor kaum gesehenen Tricks noch eine neue Komponente hinzu: Härte. Polejam Boardslides an Handrails, Wallrides an massiven Stufen-Sets und Early Grab Cannonballs down 18 verlangen sehr viel mehr als gutes Flat und eine Menge Geduld.
Special Move: Cojones in der Schlaghose und der schönste Schnörres seit Salvador Dali

07.// William Spencer
Seit Coliseums „PJ Ladd’s Wonderful Horrible Life“ hat kaum ein Shopvideo ein ähnliches Aufsehen erregt wie „Hollardo“ des Denver Shops. Maßgeblich daran beteiligt war der Part eines gewissen William Spencer, der Skateboarding mit Parkour vermischte und dafür vor allem in Nicht-Skate-Blogs gefeiert wurde. Die Skateszene selbst stand dem rumschreienden Ninja-Skater eher kritisch gegenüber. Nichtsdestotrotz: Der Frontflip auf ein Board 9er runter gehört zu dem Härtesten, was Gimmick-Skaten bislang zu bieten hatte.
Special Move: Bon Jovis „You give love a bad name“ als Song

http://www.youtube.com/watch?v=fOHp-R4hpNg

08.// Gou Miyagi
Als Gou Miyagis Part aus dem „Overground Broadcasting“-Video über Crailtap.com den Weg in die westliche Welt fand, dauerte es nicht lang bis dem Japaner die Ehre eines SLAP-Interviews und eines Guest-Boards auf Mark Fosters Company Heroin zuteil wurde. Gous Video fand sich auf jeder einzelnen Skate-Website und in jedem Blog und Forum, das etwas auf sich hielt. Kein Wunder, denn was der 31-Jährige da mit runden Rails aller Art anstellt, lässt sich nur damit erklären, dass er unter seinem Fischerhut ein zweites Balance-Zentrum versteckt hat.
Special Move: Der Gleichgewichts-Sinn von Philippe Petit

09.// Killian Martin
Der aktuellste Fall von „Andersmachen“: Wir waren uns fast sicher, dass Freestyle nunmehr final das Zeitliche gesegnet hätte – und dann flatterte uns Kilian Martins „A Skate Escalation“ ins Postfach. Bei dem Primoslide fünf Stufen runter haben wir mit den blöden Witzen aufgehört. Denn bei Kilian geht ohne Frage noch einiges mehr als ein paar Pirouetten im Flat.
Special Move: Double Airwalks und gecatchte Finger-Heelflips down 9

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