Share

News

Jason Jessee Interview – Die geläuterte Legende

Jason Jessee – die geläuterte Legende

Jason Jessee gehört zu jenen Persönlichkeiten seiner Skate-Generation, die noch heute überall auf der Welt ihre Fans haben. Sei es wegen seines Styles, seiner monströsen Airs, des schönsten Frontside Ollies im Biz, und/oder seines genialen Wahnsinns. Die amerikanische Staatsmacht zog ihn in Zeiten höchster Terror-Hysterie aus einem Flugzeug, er hing mit Typen rum, die uns noch durch Panzerglas Angst machen würden und überhaupt schien alles, was er aussprach oder in die Hand nahm, ob Schweißgerät oder großkalibrige Schusswaffe, ein Grund zu sein, in Deckung zu gehen. Kürzlich hatten wir Gelegenheit, ihn im Rahmen des Cons Space in Berlin zu treffen, wo ihm der Sneaker-Brand eine Plattform für seine zahllosen kreativen Vermächtnisse bot. Wir begegneten einem Mann, der alles andere als das personifizierte Böse wirkte, sondern ganz im Gegenteil ausgesprochen freundlich und dankbar war für das, was man zu seinen Ehren aufgefahren hatte. Und bitte.

[Interview: Carsten Bauer]

Hallo Jason! Der Suicide Bomber fliegt also wieder…
Haha! Nee, es ist alles cool.

Seit wann lässt man dich wieder fliegen?
Ach, das ist alles eine große Publicity-Nummer gewesen, mehr nicht. Die Sache ist jetzt über sechs Jahre her, und sie sind fein damit. Sie haben begriffen, dass ich lediglich ein Comedian bin, und damit ist die Geschichte vom Tisch.

[Jason hatte 2006 während eines Inlandsfluges von Denver nach San José den Begriff „Suicide Bomber“ auf das Cover eines Magazins gekritzelt, was zunächst einen Fluggast verunsicherte, und anschließend die Sky Marshalls auf den Plan rief.]

Wer sind ‚sie’?
Das FBI. Als sie mich von Bord holten sagten sie lediglich, „don´t plan any trips.“ Am Ende war es schon eine unglaubliche Erfahrung… Epic.

Hast du dich nicht wie ein Staatsfeind gefühlt?
Nein, überhaupt nicht. Die haben schnell begriffen, dass das Ganze eher komisch bzw. ironisch gemeint und alles im Endeffekt ein großes Missverständnis gewesen ist. Es war furchteinflößend damals, aber das ist, wie gesagt, lange her. Alles ist okay. Ich klage niemanden an. Es war eine eindrucksvolle Demonstration von Autorität, und dabei sehr ehrenwert abgewickelt. Actually the FBI was so fuckin cool! They cleared up all my weird protest and paranoia. It was amazing! Das Beste, was sie mich fragten, war, ob ich Tony Hawk kennen würde. Ich nur: „What?! Ja klar.!“ Dann machten sie die Tür zu und sagten „he knows Tony Hawk!“ Und ich dachte nur: „Dies ist der beste Augenblick in meinem Leben, um Tony Hawk zu kennen! [lacht]

Ich dachte nur: „Dies ist der beste Augenblick in meinem Leben, um Tony Hawk zu kennen!

Du hattest stets eine Art, dich sehr kontrovers und provozierend auszudrücken. Ich erinnere mich an die Collage eines Bin-Laden-Kontafeis in Kombination mit dem Wort „Thanks!“
Das ist ja mittlerweile auch schon lange her, mein Leben war ein anderes damals. Das war seinerzeit meine Art des Protests. I didn´t give a fuck. Das war meine Art von Humor. Das ist es zugegeben auch heute noch. Aber heute sehe ich Dinge im Allgemeinen positiver und halte mich nicht mehr so mit düsteren Gedankengängen auf. Ich beschäftige mich zwar noch immer mit Dingen, die nicht in Ordnung, negativ sind. Aber mein Fokus liegt nun vermehrt auf den schöneren Dingen des Lebens.

Wie z.B. Deiner Ausstellung, in dessen Mitte wir hier sitzen und die heute Abend eröffnet wird… Dein Kommentar dazu?
Oh Mann, es ist beängstigend! Die Wände erschrecken mich. Sich durch einen Raum wie diesen zu bewegen und überall hängen Bilder von einem. Das ist hart. Es fühlt sich befremdlich an. Ich bin dankbar für mein Leben, aber wenn es dir gegenüber an der Wand hängt, das ist schon hart. Auch deshalb, weil zwischen heute und den Tagen, an denen viele der Fotos geschossen wurden, schon so viel Zeit vergangen ist. Sicher, das sieht alles cool und lustig aus, aber es steckt doch auch eine Menge Bedrohliches in diesen Bildern.

Aber man fühlt sich doch gut dabei, wenn das Lebenswerk derart Beachtung findet?
Ich bin schon irgendwo stolz auf das, was ich gemacht habe, aber trotzdem ist es mir ein wenig peinlich. Dankbar bin ich für all das hier. Ich mag nur nicht dieses „Ich-bin-besser-als-du, weil…“-Ding. Es fühlt sich merkwürdig an, in den Fokus gerückt zu werden.

Über die üblichen verdächtigen Kanäle konnte man dich auf Deiner neuen Vertramp bewundern. Kommst du häufig zum skaten, oder bist du momentan nur unterwegs?
Ich bin schon viel beschäftigt und oft unterwegs, aber ich finde doch noch die Zeit, hin und wieder zu skaten. Es ist ja nur ne kleine Rampe bei einem Freund auf dem Grundstück. Und ja, es fühlt sich noch immer gut an und macht Spaß!

Wer ist bei einer solchen Session dabei? Deine alten Santa-Cruz-Dogs?
Jeff Grosso war letztens da, Lance Mountain, Darren Navarrette, Den Drehobl, Kenny (Anderson), Peter Hewitt – wir haben noch immer ne Menge Spaß! It´s incredible!

Hast du in all der Zeit auch mal aufgehört, zu skaten?
Eigentlich hört man nie auf zu skaten, wenn man Skateboarder ist. Verstehst du, was ich meine? Aber ich habe natürlich schon auch viele andere Dinge gemacht, mich z.B. viel mit Autos und Motorrädern beschäftigt.

Schraubst und schweißt du noch viel?
Yeah, aber nicht mehr so intensiv wie noch vor einiger Zeit. Skateboarding ist meine Nummer 1. Es hält mich außerdem in Form! Wenn man einmal drin ist im Skateboarding, ist es schwer da wieder rauszukommen. (lacht) Außerdem ist Skateboarding cool, weil es dir Zutritt in jedes andere soziale Umfeld verschafft. Andersrum ist das nicht möglich. Wenn du kein Skateboarder bist, schaffst du es nicht in diesen inneren Kreis hinein. Macht das Sinn, was ich sage?

Wenn man einmal drin ist im Skateboarding, ist es schwer da wieder rauszukommen

Dass man als Nicht-Skater nicht wirklich Teil dieses Lifestyles sein kann, klingt logisch. Und ja, durch Skateboarding kann man viele Türen öffnen. Das geht ja schon innerhalb der Szene los – der Arztsohn skatet mit dem Kid aus der Patchwork-Familie, das seinen Vater vielleicht nie kennen gelernt hat…
See what I mean…

Bist du in den vergangenen 25 Jahren Santa Cruz und Converse immer verbunden geblieben? Ich sehe dich noch 1988 in Münster mit roten Chuck´s in der Rampe.
Warst du dort?

Ja.
Krass! Gator sagte damals auf dem Weg zur Toilette: „Du wirst es nicht unter die Top-20 schaffen.“

Du bist Dritter geworden hinter Hosoi und Cab.
Yeah! Was war noch mal die Frage? Ach so. Klar, Chuck´s hab ich irgendwie immer getragen, zwischendurch sicher auch mal was anderes. Aber Chuck´s sind halt zeitlos. Man kann die Dinger gar nicht nicht mögen. Man kann sie zu allem und überall tragen. Und bzgl. Santa Cruz: Sicher, ich habe mittlerweile meine eigene Company, Driven Skateboards. Aber Santa Cruz ist natürlich ein bedeutender Teil meines Lebens, sowohl die Company, als auch die Stadt. Entsprechend habe ich natürlich eine emotionale Bindung dazu.

Sag doch mal bitte etwas zu Deiner Chuck´s/Santa-Cruz-Kollabo.
Die haben wir anlässlich des 40-jährigen Firmenjubiläums (von Santa Cruz) aufgelegt, und das ist für mich natürlich eine tolle Sache; schon ein bisschen wie ein Traum, der wahr wird.

Du hast gerade Gator erwähnt, der seinerzeit in seiner Biographie sagte, der Tod der Popularität des Vertskatings in den frühen Neuzigern hätte ihn fertig gemacht. Wie hast du jene Zeit erlebt?
Ich hatte damit keine Probleme, Skateboarding hat mir einfach viel Freude bereitet. Für mich hat sich damals nicht viel verändert. Ich kann mich auch gar nicht wirklich daran erinnern, dass die Zeit so viel Veränderungen mit sich gebracht haben soll. Ich war noch sehr jung und es war mir total egal. Skateboarding war ein gutes Ventil für mich, und ich habe es genutzt. We still did shit! Ich habe damals viel mit Alan Petersen, Karma Tsocheff und Corey Chrysler abgehangen und wir sind einfach rippen gegangen! Gator ist auch etwas älter als ich, ungefähr sechs Jahre. Außerdem ging es ihm ja von der Gesamtmentalität nicht gut, wie wir heute alle wissen…

Was geht als nächstes bei dir?
Morgen geht´s zurück in die Staaten und ich werde versuchen, wieder und weiterhin viel zu skaten. Ich habe Ideen und Ziele in vielerlei Richtungen, aber das Skateboard ist noch immer meine erste und liebste Option, mich auszudrücken. Es ist Transportmittel wie Ventil zugleich. You can use your Skateboard in a hundred different ways… Und das werde ich tun, so oft und so lange mir das möglich ist.

Das klingt nach einem schönen Schlusswort. Vielen Dank, Jason und guten Flug zurück!
Haha, dank dir.

Share

Geschäftsbedingungen

Gib bitte deine Email Adresse an, damit wir dich mit News, Updates und den neuesten Angeboten versorgen können. Falls du nicht mehr interessiert bist, kannst du dich jederzeit abmelden. Wir geben deine Daten nicht an Dritte weiter und werden dir nur Nachrichten schicken, die dich auch interessieren. Versprochen!

Read our full Privacy Policy as well as Terms & Conditions.

production