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How to… Moshen mit Köpfchen

Vielleicht habt ihr euch schon mal gefragt, warum Leute wie Reynolds, Willow oder Sheckler seit Jahrzehnten riesige Gaps skaten und trotzdem nicht am Krückstock gehen, sondern munter weiterballern. Nun, einer der wichtigsten Gründe ist untreitbar die Technik, mit der sie den Aufprall abfangen. Veith Kilberth musste vor einiger Zeit seine Profi-Laufbahn wegen Rückenproblemen aufgeben und setzte sich, davon motiviert, mit diesem Thema außeinander. Auf dieser Seite hat er noch einmal zusammengefasst, wie man bei größeren Sprüngen den Körper schonen und letztendlich länger Spaß am Moschen und Skateboarding generell haben kann. Mit Reynolds, Sheckler und Willow haben wir noch einige Spezialisten zu dem Thema befragt, die euch ein paar Tipps geben können – wer also Spaß an der Hangtime hat, sollte jetzt besser weiterlesen.

[Text: Veith Kilberth | Fotos: Janosch Pugnaghi]




Wir alle wissen, dass der durchschnittliche Street-Skater eine kürzere „Karriere“ hat als ein Vert-Skater. Das liegt sicher daran, dass Street-Skating wesentlich stärker auf die Knochen geht, während in Halfpipes, Bowls und Miniramps schön smooth in Transitions gelandet wird – jedenfalls meistens. Aber was ist das „Harte“ am Street-Skating? Worauf kommt es an? Und was passiert da eigentlich? Ein kritischer Bereich des Körpers, der besonders unter dem Moshen leidet, ist der untere Rücken – auch als Lendenwirbelsäule (LWS) bekannt – mit seinen Bandscheiben und Wirbelgelenken. Die Lendenwirbelsäule ist quasi der Stoßdämpfer des Rückens. Und Skateboarding trägt seinen Teil dazu bei, Rückenbeschwerden auf Platz eins der Volkskrankheiten zu halten.

Was kann man als Skater dagegen tun? Starke Muskeln zu haben, ist sicher eine wichtige Voraussetzung, um seinen Körper zu schonen und vor Verletzungen zu schützen. Aber wer hat schon die Zeit und Energie für einen Ausgleichsport oder ein spezielles Muskeltraining? Kaum jemand, der nicht als Top Pro unterwegs ist oder im Rahmen eines Reha-Programms nach einer Verletzung wieder auf die Beine kommen möchte. Was jeder Skateboarder aber sehr wohl tun kann, ist auf seine „Landetechnik“ zu achten. Wer seine Technik entsprechend verfeinert, um den Aufprall mit den richtigen Muskeln abzufangen, indem er den unteren Rücken möglichst gerade hält, leitet den Impact weg aus der Lendenwirbelsäule. Stattdessen konzentriert sich die Wucht des Aufpralls in den größten Muskeln, die der Körper hat, nämlich der Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur.

Ryan Sheckler hat sich nie wirklich Gedanken um seine Landung gemacht. Er sagt: „Ich skate mein ganzes Leben und meine Technik hat sich einfach so entwickelt.“ Ebenso hatte der „Boss“ das Glück, sich bei der Landung intuitiv die Technik anzueignen, mit den Beinen tief in die Hocke zu gehen. Er ist davon überzeugt, dass dies die beste Technik sei, den Impact abzufedern und fügt an, dass es sich für ihn so einfach am besten anfühlt.




Diese Landetechnik kann den entscheidenden Unterschied machen, denn wer steif in den Beinen bleibt und die auftretenden Kräfte hauptsächlich mit dem unteren Rücken abfängt, sollte wissen: Bei dieser Haltung verursacht der schwere Oberkörper inklusive des Kopfes mit seinem Gewicht eine enorm ungünstige Hebelwirkung auf den unteren Teil der Wirbelsäule. Wer sich ein 10er-Set runterschmeißt, was knapp zwei Metern entspricht, und mit der falschen Technik landet, kann noch so starke Rücken- und Rumpfmuskeln haben – sie werden dem Impact auf Dauer nicht standhalten können.

Denn immer wenn die Muskulatur den Aufprall nicht abfangen kann, schlägt dieser voll auf den Knochen- und Bandapparat. Durch diese Überlastung reiben Gelenke bzw. Knochen aufeinander und die körpereigene Schutzschicht – wie zum Beispiel der Knorpel zwischen den Gelenken – wird Schritt für Schritt mit der Zeit abgenutzt. Im ungünstigsten Fall kann das nach einigen Jahren zu ständigen Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfällen oder Versteifung der LWS bis hin zur Arthrose führen. Genau das Gleiche passiert beim Aufheben eines Bierkastens, ohne in die Knie zu gehen. So eine Fehlbelastung schädigt im Laufe der Zeit die Substanz des Körpers, bis man sich irgendwann eine Bandscheibe (elastischer Puffer zwischen den Wirbelkörpern) rausquetscht (Bandscheibenvorfall).

Auch Willow versucht durch beugen der Knie den Rücken zu entlasten. Er betont aber, dass der Trick dafür perfekt gelandet werden muss, da die Balance bei der Kniebeuge eine große Rolle spielt. Willows Hinweis bringt uns auch direkt zum nächsten Punkt in Sachen Prävention. Denn wenn wir uns mit dem Moshen beschäftigen, müssen wir auch über das Bailen sprechen, schließlich ist ein Gap oder Rail-Trick mit unzähligen gescheiterten Versuchen und Einschlägen verbunden.

Versucht wie eine Sprungfeder zu landen und nach der Landung schnell wieder aufzustehen!

Beim Bailen funktioniert die Hock-Technik nur bedingt, da man nicht auf dem Board weiterrollt. Willow rät deshalb sich bei der Landung von hohen Drops grundsätzlich immer abzurollen, um die Kräfte sowohl auf eine große Körperfläche, als auch auf eine große Bodenfläche zu verteilen. Sein Geheimtipp für die Vorbereitung: „Immer schön die Zehennägel schneiden, sonst tut es höllisch weh, wenn ihr an größeren Spots einschlagt.“ Seiner Meinung nach ist es besser schneller anzufahren, weil es den Impact verringert, da man sich abrollen muss. Dahinter steckt die Idee, so gut es geht die Energie aufgrund des Höhenunterschieds von Stufen-Sets oder Gaps von der Vertikalen, also von oben, in die Horizontale Ebene zu bringen. Lieber die Energie auf der Fläche verteilen und beim Abrollen auf Steinboden unter Umständen Schürfwunden, Swellbows und dicke Hüften in Kauf nehmen, als den ganzen Impact an einer Stelle in den Körper zu leiten.

Auch Sheckler versucht sich immer seitlich abzurollen oder, wenn er rückwärts fällt, eine Art Rückwärtsrolle in den Stand zu machen. Er weiß aber auch: „Manchmal geht alles zu schnell und man schlägt einfach ein“.

Etwas anders sieht das Andrew Reynolds. Sein Tipp zum Thema Bailen lautet: „Versucht wie eine Sprungfeder zu landen und nach der Landung schnell wieder aufzustehen!“ Der Boss sagt, wenn der Drop wirklich hoch sei, habe man sogar in der Luft genügend Zeit, sich zu überlegen, wie man landen möchte.

Die allgemeine Einstellung zum Thema Moshen ist bei Reynolds, Sheckler und Willow sehr ähnlich. Man sollte für sich persönlich herausfinden, was für ein Typ man ist. Wenn „Big Stuff“ zu sehr weh tut, sollte man besser etwas anderes versuchen. „Big ist nicht immer besser“, findet Reynolds, „aber wenn es keine Schmerzen bereitet und euch das Gefühl vom Fliegen so glücklich macht wie Willow, dann nehmt viel Speed und schmeißt euch runter!“ Natürlich sollte man alles Schritt für Schritt angehen – als erstes seine Tricks ganz sicher im Flat lernen und sich dann langsam hocharbeiten. „Hauptsache, ihr habt Spaß und kennt eure Grenzen“, rät Sheckler.

Wenn ihr euch also unbedingt Moshen wollt, dann habt ihr jetzt wenigstens einige Tipps mit auf euren Weg bekommen, um das Gefühl vom Fliegen länger genießen zu können. Also, achtet auf die Technik und alles Gute für eure nächsten Missionen in Sachen Big Stuff.

Go get some!

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