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Interviews

40 Jahre RAPX

Was 1986 aus Skateboarding, BMX, Graffiti und DIY‑Attitüde entstand, ist heute ein Stück deutscher Street‑ und Subkulturgeschichte. Zum 40. Geburtstag von RAPX haben wir mit Gründer Martin Magielka gesprochen.

Martin, Stell dich und deinen Werdegang doch mal kurz vor.


Kurz wird schwierig, aber ich versuche es. Mein Name ist Martin Magielka, geboren 1968 in Bochum. Schule war nicht so mein Ding, somit eröffnete ich im April 1986 im Alter von 17 Jahren zusammen mit meinen Freunden den RAPX Store. Und ja, hier fing alles an.

Da liegen nun 40 Jahre dazwischen, die ich kaum in Worte fassen kann. Meine Ausbildung habe ich auf dem Papier in meinem eigenen Laden gemacht. Am meisten habe ich auf der Straße gelernt, dadurch, dass ich – oder besser: wir – es einfach gemeinsam gemacht haben. Es ausprobiert haben. Regeln waren eher Vorlagen.

Durch Reisen stellte ich früh fest, dass es wirklich viele interessante Menschen auf diesem Planeten gibt, mit denen man tolle Sachen machen kann oder die selbst tolle Sachen machen, die man sehen oder zeigen muss. Damit war ich sehr gut beschäftigt.

Seit nun zehn Jahren male ich außerdem verstärkt Kunst mit Öl und Pinsel auf Leinwand. Das Arbeiten mit Sprühdosen ist mir seit geraumer Zeit zu hektisch. Eine Akademie habe ich dafür nicht besucht.

Derzeit arbeite ich auf Hochtouren an dem Event zum 40‑jährigen Jubiläum von RAPX, das Ende April/Anfang Mai stattfinden wird. Zusätzlich planen wir über das Jahr verteilt verschiedene Aktionen.

 

fass doch mal kurz zusammen, wie RAPX 1986 entstanden ist und erzähl ́ woher der Name genau kommt.


Bereits Jahre zuvor war ich auf dem BMX‑Rad unterwegs, hatte ein Skateboard, mit dem man Slalom fahren konnte, und war nächtelang mit der Sprühdose unterwegs. Außerdem hatte ich einen Vespa‑Roller. Mit diesem Roller bin ich unglücklicherweise frontal in ein Auto gefahren. Dabei habe ich mir die Wirbelsäule mehrfach gebrochen und einen viermonatigen Krankenhausaufenthalt dazu genutzt, nicht nur zu genesen, sondern auch über meine Zukunft nachzudenken.

Wie gehabt: Schule war nichts für mich. Somit eröffnete ich mit dem Schmerzensgeld, das ich von der Versicherung des Autofahrers erhalten hatte, meinen ersten Laden. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch 17 Jahre alt.

Der Name entstand durch einen Zufall und hat seinen Ursprung in New York. Dort kaufte ich mir in jungen Jahren ein T‑Shirt mit der Aufschrift RAP. Bei einer Schulaufführung, bei der ich als Breakdancer auftrat, trug ich dieses T‑Shirt. Bei einem Sprung kreuzten sich meine Beine, sodass unter dem Wort RAP ein X entstand. Diese Szene wurde fotografiert, und das Foto sorgte später für die Namensgebung.

Thomas Hielscher – Foto: Markus Rieger
Dirk Wehnes (RIP) – Foto: Markus Rieger

Das RAPX Logo ist ja wirklich ikonisch, ich erinnere mich, dass ich das damals in der Grundschule gerne auch nachgezeichnet habe. Wie ist das Logo entstanden?


Das Logo selbst ist in Zusammenarbeit mit verschiedenen Freunden und Partnern entstanden und wurde im Laufe der Zeit immer wieder neu interpretiert. Grundsätzlich gab es zwei Varianten, die als RAPX‑Tag und RAPX‑Logo bekannt wurden.

Das Tag war handschriftlich von mir. Das Logo hingegen ist ein Zusammenspiel aus MVD – also Martin van Doren –, Markus Rieger und meiner Grundidee. Vom Logo gab es diverse Varianten im gleichen Box‑Style, basierend auf meiner ursprünglichen Edding‑Zeichnung.

Das Invertieren des oberen Parts, also des „RAP“, sowie der Buchstabe X im Rahmen wurden speziell für die Anzeigen im Monster Magazin weiterentwickelt. Dieses Motiv wurde später auch Grundlage für Hunderttausende von Stickern.

„Streetwear“ gab es damals ja kaum und besonders nichts Relevantes in Deutschland. Wie war damals die Resonanz auf RAPX?


In diesem Zeitraum, also Mitte/Ende der Achtzigerjahre, war Streetwear erst in der Entstehungsphase. Weltweit entstanden kleine, feine Marken, die mich interessierten. Sie zu finden und mit ihnen zusammenzuarbeiten, war meine Aufgabe und führte dazu, dass ich praktisch weltweit eingekauft habe.

Aus New York, Paris, Tokio, London oder Amsterdam brachte ich das mit nach Bochum, was mir gefiel. Wir waren beispielsweise einer der ersten Stores in Europa, die Stüssy verkauft haben. FUCT, NFC, Pervert, A Bathing Ape, Hysteric Glamour, Limpies – neben Vans, Airwalk und vielem mehr.

Natürlich konnten wir auch unsere eigenen RAPX‑Shirts und Hoodies gut verbreiten, die wir selbst mit Siebdruckfarbe verschmiert haben. Neben angesagten Skatebrands wie Zorlac, Alva, Powell, Santa Cruz, Vision etc. hatten wir – zusätzlich zur ganzen Hardware – stetig eine große Auswahl an krassem Scheiß.

Die Resonanz war dementsprechend gut.

Martin van Doren – Foto: Markus Rieger

 

RAPX war ein paar Jahre regelmäßig im Monster Mag vertreten, sei es mit Anzeigen, aber auch mit Fotos der Teamfahrer. Kannst du der Verbindung zum Monster Mag was sagen? Layout der Anzeigen, Fotografen, etc.


Unser „Creative‑ und Art‑Department“ – haha – war schon damals mit vielen in der Szene bekannten Leuten besetzt. Die Verbundenheit zum Magazin ergab sich aus Parallelwelten, die zeitgleich entstanden sind.

Florian Böhm, Markus Rieger, MVD, Claus Grabke sowie die Teamfahrer Achim Kühn, Thomas Hielscher, Dirk Wehnes (R.I.P.) und Clyde Semmoh (R.I.P.) haben in Absprache und Zusammenarbeit mit mir beispielsweise die Anzeigenvorlagen erstellt.

Da wir als eines der ersten Brands großen Wert auf Street und die entsprechende Attitüde gelegt haben, waren diese Anzeigen für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich. Die Fotos wurden maßgeblich von Markus Rieger gemacht.

Die Zusammenarbeit mit dem Monster Magazin ging von 1986 bis in die Anfänge der Neunzigerjahre.

 

Wer war damals im Skateboard-Team und wie bist du an die Teamfahrer gekommen?


Wir hatten ein RAPX‑Team, also die zuvor Genannten. Dieses Team wurde nicht wirklich rekrutiert, sondern ist organisch entstanden – auch durch die Mitarbeit im Shop. Heißt: Unsere Mitarbeiter waren selbst starke Skateboarder oder wussten zumindest, was ein Skinny Cap ist.

Da wir zusätzlich beispielsweise ein BMX‑Team, ein DJ‑Team und eine Crew von Writern hatten, entstand so etwas wie die RAPX Posse.

 


Danke für das Gespräch Martin!

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