Share

Interviews

Buchprojekt „40 Jahre Skateboarding in Göttingen“

Bücher zum Thema Skateboarding sind immer was Feines und wenn es sich dann auch noch wie in diesem Fall um ein selbst produziertes und finanziertes Projekt handelt, sollte man besonders genau hinschauen. Wir haben mit Sascha Prinz, der treibenden Kraft hinter dem Buch „40 Jahre Skateboarding in Göttingen“ gesprochen.

Erzähl´ mal was über die Entstehung des Buchs. Wer hat sich das ausgedacht? Wie lange habt ihr geplant, etc.?


Schon in den 90ern, als ich regelmäßig das Monster Mag gelesen habe, hatte ich die Idee im Kopf, so etwas einmal selbst zu machen – ein eigenes Buch über das, was wir erlebt haben, über die Leute, mit denen wir unterwegs waren. Als ich neulich das YouTube‑Video von Danny Sommerfeld sah, hat es sofort wieder Klick gemacht. Genau wie Danny sagt: „Ein Buch zu produzieren, das wäre es!“ Dieser Gedanke stand gefühlt schon ewig auf meiner inneren Bucket List.

Über die Jahre konnte ich beobachten, wie sich die Skateszene hier in Göttingen immer wieder erneuert hat. Als Unistadt haben wir einen ständigen Wechsel an Menschen – und damit auch an Skatern, die für bestimmte Lebensphasen Teil der Szene sind. Spannend war für mich vor allem die Frage: Was verändert sich eigentlich wirklich? Und wie sehr spielt Nostalgie eine Rolle, vielleicht auch ein bisschen Vergangenheitsbewältigung?

Während der Bildrecherche hörte ich häufig den Satz: „Als ob wir in den 80ern ständig ’ne Polaroid dabeigehabt hätten …“ Aber ich wusste, dass es immer Leute gab, die Skateboarding dokumentiert haben. Die größte Herausforderung bestand deshalb eher darin, die Leute über Jahre hinweg zu motivieren, ihre Schuhkartons im Keller zu durchforsten und die alten Fotos irgendwie digital aufzubereiten.

Am Ende hat ein professioneller Grafiker aus all diesen Fragmenten ein richtiges Buch gestaltet. An dieser Stelle auch ein großes Danke an @def_ink, der früher den „End2End“ Skateshop (R.I.P.) hier in Göttingen betrieben hat. Natürlich sehen die Polaroids nicht aus wie iPhone‑Fotos – aber zusammen ergeben sie trotzdem ein stimmiges, authentisches Gesamtbild.

Im Grunde ist es ein Fotobuch von einer Internetdruckerei, gemacht für mich und meine Freunde. Nur eben etwas liebevoller, etwas aufgeregter – und framed wie ein kleines Zeitdokument. Hahah.

Arwid Kassner / Handplant / Mitte bis Ende 80er / Foto: Marco Schrader

 

Bist du mit der Resonanz bzw. mit den Verkäufen zufrieden?


Es war nie das Ziel, damit irgendwie Kohle zu scheffeln. Das Buch war für „uns“ gedacht – und vor allem für die gemeinsame Session, um alle Leute mal wieder zusammenzubringen. Die Kids von heute haben ja zum Beispiel keine Ahnung, wer Jan Kliewer ist oder dass vor 40 Jahren Leute Streetplants auf ihrem Pausenhof gemacht haben.

Klar kostet der Druck etwas und auch der Grafiker wollte bezahlt werden, deshalb musste ich das Buch verkaufen. Aber bei einer Auflage von 150 Stück komme ich am Ende ungefähr bei plus/minus Null raus.

Ein paar Exemplare sind noch verfügbar – also, falls das hier jemand liest: Schickt mir eine DM bei Insta.

 

Göttingen wurde ja seinerzeit durch Jan Kliewer und den Rathausplatz bekannt. Wie kam es dazu, dass Skateboarding dort so präsent war und z. B. auch die Kanten auf den Curbs geduldet wurden?


Skateboardfahren am Rathaus war eine Zeit lang sogar offiziell verboten – aber wirklich daran gehalten hat sich niemand. Irgendwann kamen wir dann mit ein paar Politikern ins Gespräch, die erkannt haben, dass wir dort nicht einfach nur Mist gebaut haben, sondern uns auf eine sportliche Art und Weise selbst verwirklicht haben.

Das Hauptargument für die Metallkanten war schließlich, dass dadurch die Bänke geschützt werden. Davon gab es dann im Laufe der Zeit auch verschiedene Versionen. Der komplette Marmorboden auf dem Platz hat das Ganze natürlich perfekt für das prädestiniert, was man heute „Plaza Skating“ nennt. Und klar: Wir waren total beeinflusst von den US‑Videos – Embarcadero, Pier 7, Lockwood – und haben dort unseren eigenen Plaza‑Traum ausgelebt.

Jan hat das Ganze später dann an die Warschauer Straße exportiert und die Bänke quasi zu Weltruhm gebracht. Aber erfunden wurde das in Göttingen!

Letztendlich hatten wir auch ein bisschen Glück. Deshalb ein Shoutout an Uli Holefleisch und Hermann Schierwarter, die uns damals geduldet haben – und natürlich an alle Hausmeister im Rathaus, deren Nemesis wir definitiv waren.

Marko Putaro / FS Nosebluntslide / Ende 90er / Foto: Martin Werner

Erzähl´ mal was über dich: Seit wann skatest du, etc.


Ich skate seit Anfang/Mitte der 90er und bin mittlerweile 47 Jahre alt. Damals als Teenager war Skateboarding natürlich mein kompletter Lebensinhalt, weil es einfach alles bietet, was man in diesem Alter braucht: Identifikation, Peers, Style, eine eigene Kultur.

Heutzutage gehe ich wegen Beruf und Alltag zwar deutlich seltener skaten, aber es ist immer noch ein fester Bestandteil meines Lebens. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Zeit habe, Rollen zu gehen – auch wenn es inzwischen eher in Richtung „Soul Skaten“ geht und weniger um Tricks.

Aber solange der Kickflip nicht ganz verschwindet, wird es auf jeden Fall weitergehen.

 

 

Was waren die “goldenen Zeiten” in der Göttinger Skateszene und wie sieht es 2026 aus?


Die Skateszene in Göttingen ist heute deutlich diverser als früher. Mittlerweile skaten viel mehr Mädchen und Frauen und durch den Park am Leineufer ist auch deutlich mehr Transition dazugekommen. Es gab zwar schon immer Mädels, die gerollt sind, aber das waren damals meist nur ein oder zwei. Ich finde es großartig, dass die Szene inzwischen breiter aufgestellt ist.

Mitte der 90er war Göttingen komplett auf Curb-Skating ausgelegt – und weil ich dort auch am meisten unterwegs war, ist das für mich persönlich definitiv das „Goldene Zeitalter“. Bei den Rathaus Open (unserem Skate-Contest) waren praktisch alle am Start, die in Deutschland zu der Zeit on top waren: Stefan Lehnert, Lennie Burmeister, Armin Löwenstein usw.

Das absolute Highlight war dann, als irgendwann das Blind-Team mit Thomas Gentsch am Rathaus vorbeikam. Ronnie Creager an unserem Spot skaten zu sehen, war irgendwie eine Art Bestätigung: Selbst wenn wir nicht viel zu bieten hatten, war ein US‑Pro‑Team bei uns – und das hat sich damals gigantisch angefühlt.

 

 


Danke für das Gespräch Sascha!

Der Insta Account vom Buchprojekt:

40 Jahre Skateboarding Göttingen

 

Geschäftsbedingungen

Gib bitte deine Email Adresse an, damit wir dich mit News, Updates und den neuesten Angeboten versorgen können. Falls du nicht mehr interessiert bist, kannst du dich jederzeit abmelden. Wir geben deine Daten nicht an Dritte weiter und werden dir nur Nachrichten schicken, die dich auch interessieren. Versprochen!

Read our full Privacy Policy as well as Terms & Conditions.

production