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Pushed

Pushed – Flo Schneider Interview

Zusammen mit Kamermann Felix Zenker hat Flo Schneider in den Alltag von Pontus Alv, Bobby Puleo, Adam Sello und Stefan Marx geblickt, um ihre von Skateboarding geprägten Leben und damit auch Skateboarding selbst ein wenig zu ergründen. Herausgekommen ist dabei die Dokumentation „Pushed“, die ab sofort auf DVD erhältlich ist. Wir haben Flo zu seiner Doku befragt und werden ab heute wöchentlich einen Outtake Clip präsentieren.

[Interview: Stefan Schwinghammer | Photos: Florian Schneider]


Flo

Hi Flo, kannst du nochmal erzählen, wie du auf die Idee kamst, das Projekt zu starten?
Ich wollte immer ein Skatevideo machen und meine Homies waren zu schlecht und dann irgendwann hatte ich keine mehr… Nee, Schmarrn. Ich habe ja Film an der Kunstuni studiert und immer latent nach einem Thema gesucht, welches auf dokumentarischer Ebene geeignet ist, sich mit Skateboarding auseinander zu setzen – weil es eben seit Jahren mein Hobby war. Ich habe vorher und damals auch noch parallel lediglich szenische Kurzfilme realisiert und als Thema für einen Debüt-Dokumentarfilm bewusst auf ein Thema gesetzt, mit dem ich mich zumindest ein bisschen auskenne. Und dann standen plötzlich vier Namen auf einem Blatt und jede Menge im Ansatz doch recht kitschige Motive, wenn ich heute darüber nachdenke…

Im Laufe des Projekts hab ich dann irgendwann bemerkt, was für ein Quatsch das eigentlich ist und wie viel interessanter die Personen im Vergleich zur Sache selbst sind

Was war deine Intention bei der ganzen Geschichte?
Anfangs war die Intention eben genau dieser besagte Kitsch: Ich wollte zeigen, wie kreativ Skateboarding ist und wie man zum Gestalter und Designer werden kann, wenn man sich rollend durch die Welt bewegt. Im Laufe des Projekts hab ich dann irgendwann bemerkt, was für ein Quatsch das eigentlich ist und wie viel interessanter die Personen im Vergleich zur Sache selbst sind. Und weil ich mir glücklicherweise Personen ausgesucht habe, die ich nicht nur für interessant hielt, sondern die dann auch sehr ambivalent im wirklichen Leben waren und mir viel Freiräume und Vertrauen entgegen gebracht haben, war es irgendwann möglich, die ursprüngliche Intention einfach hinter sich zu lassen und die Dreharbeiten zur Forschungsreise umzuwandeln.

Wie hast du denn die Leute dafür ausgewählt bzw. wie bist du mit ihnen in Kontakt gekommen?
Das waren Leute, die mich fasziniert haben in ihrer Herangehensweise und ihrem gestalterischen Output. Ich bin in der Nähe von Stefan aufgewachsen ohne ihn damals kennen gelernt zu haben und habe seine Motive, die sich oft mit Skateboarding auseinander gesetzt haben schon in der Pubertät gefressen – auf jeden Fall auch weil die ganzen coolen älteren Dudes und Freunde die T-Shirts getragen haben, ganz klar.

Adams „Panorama“ fand ich so grundlegend anders und monumental, das hat mich schon auch ganz schön in seinen Bann gezogen und natürlich dann, kurze Zeit später, als er das Magazin herausgebracht hat, hat sich das noch weiter vertieft und die Qualität in der Arbeit bestätigt. Auch heute ist das Magazin (ANZEIGEBERLINinformation) für mich nicht nur Vorreiter für viele, die gemessen an Adam, in diesem Format leider lediglich üben und sich versuchen, sondern auch eine Messlatte am No- oder Lo-Profit-Geist, der im Skateboarding möglich ist. Irgendwie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, das auf dem publizistischen Skateboardmarkt erhältlich ist, no offense, verehrte Monster!

Zu Pontus wiederum muss man nicht viel sagen. Ich kenne auch Leute, die mögen nicht was er macht oder mögen ihn einfach als Person nicht. Das ist ihr gutes Recht – aber was der schon vor gut zehn Jahren produziert hat, welche Einstellungen er schon damals fundamental und scheinbar stur vertreten hat, und wie sich das in Thematik und Bildsprache seiner Filme äußert, noch immer: Der Wahnsinn. Unerreicht. Lustigerweise geht er ja heute mit Polar noch einmal ganz andere Wege als er damals angedeutet hat, als wir mit ihm gedreht haben, aber es freut mich sehr zu sehen, dass auch er endlich Anerkennung für seine Art findet, mit Skateboarding umzugehen.

Ja, und Bobby – da fand ich den Style schon immer irgendwie geil – und wenn man sich ansieht was heute so im Trend ist, newyorkiges Ekelspotskaten und blablabla, dann war auch er mit seiner teils minimalistischen Art, seiner Zeit irgendwie ein paar Jahre voraus. Und dass er Skateboarding nutzt, als Suche und als Expedition, in der Stadt und auf dem Boden irgendwelche – er sagt ja ganz passend – „Artefakte“ auszugraben und zu arrangieren, das war natürlich der passende Link zu der Thematik des Films, die Skateboarding ja mit einer bestimmten Art von Kreativität verbinden wollte.

Mit Puleo war es wohl nicht ganz einfach, erzähl mal.
Bevor ich dazu jetzt etwas sage, sollte ich betonen, das Bobby der wohl dankenswerteste Protagonist ist, den man sich vorstellen kann. Lustigerweise kam er mir immer etwas skeptisch uns und unserem Vorhaben gegenüber vor, man kann das aber glaube ich im Material nicht sehen – denn sobald die Kamera lief war er ein hervorragender „Zeiger“ und Vorführer. Das heißt nicht, dass er sich da verändert hat, aber er hat ganz klare Entertainer-Qualitäten! Wirklich anstrengend war es, ihm auf den Fersen zu bleiben – Felix musste die ganze Zeit die Kamera bedienen und ich bin mit der Mikrofonangel und einem pickepackevollen Rucksack hinterher gerollt, und New York im Sommer kann ganz schön heiß und voller Input sein. Man sieht ja auch ein paar mal, dass er ganz gut am ausrasten war, und das ist natürlich immer eine etwas merkwürdige Situation, vor allem wenn man sich erst seit ein paar Tagen kennt und in der Rolle des Gastes ist – sowohl in der Stadt als auch im Leben der Person. Was irgendwie anstrengender war, war einen geeigneten Drehtermin mit Pontus zu finden – das mal zu gewissen Relationen…

Da fällt man natürlich erstmal auf die Fresse, wenn Eling sich mit in den O-Ton schmuggelt, ganz klar

Was war das Schwierigste am filmen?
Die eigene Unsicherheit zu überwinden. Ich hab das ja vorher noch nie gemacht! Und dann war der erste Dreh bei Clepto im Skate-Space und ich als Greenhorn stehe da und interviewe die Jungs, mit einem kleinen Laptop auf dem die Fragen stehen – da fällt man natürlich erstmal auf die Fresse, wenn Eling sich mit in den O-Ton schmuggelt, ganz klar. Das war eine ganz gute Lektion. Oder bis Felix als Kameramann feststand, da bin ich schon auch ein paar Tode gestorben… Als wir beide – Felix und ich – uns dann gefunden hatten, war es der wohl beste Dreh meines Lebens, oft auch mal anstrengend, aber vor allem wegweisend für die Zukunft und meistens ein großer Spaß auf freundschaftlicher Ebene. Ach so, und auf der Bright zu filmen kann ein wirklich mieser Alptraum sein, da sollte man schon wirklich einen Auftrag haben…


Felix

Du hast dich jetzt ja dazu entschieden das Ganze jetzt auf DVD rauszubringen. Das war sicher auch noch mal richtig Stress. Glaubst du dass sich das in unserer Zeit noch auszahlt?
Stress, naja, eher nochmal ein dicker Batzen Logistik und Maloche. Ich bin ja noch Student neben meiner Freiberuflichkeit und da rennt man dem Geld ja gerne mal etwas hinterher. Sich da einen gewissen Betrag nebenher anzusparen um eine DVD-Produktion zu realisieren ist die eine Sache, drei Monate Zeit frei zu halten um Untertitel einzubauen die nächste. Und da ich ja keinen Vertrieb hatte – hier nochmal angemerkt dass unsere Bildungsflackerschiff, das öffentlich-rechtliche Fernsehen, der Meinung ist der Film sei zu kontemplativ – musste ich mich darum ja selbst kümmern. Und das geschah in Form einer Homepage, die zwar längst überfällig war, aber natürlich auch erstmal gebaut werden musste. Es gab also reichlich Komponenten, die abgestimmt werden mussten, vor allem weil ich ja auch so ziemlich alles alleine mache und auch auf eigene Kosten. Ob sich das lohnt wird sich demnächst zeigen. Da gehört schon eine gehörige Portion Idealismus dazu, davon auszugehen, die Leute würden mir heuer eine DVD aus den Händen reißen, nicht zuletzt weil diese auch kein freies Give-Away sein wird. Eben diese Leute die das tun werden dürfen sich dann aber wiederum auf ihre Schultern klopfen. Wenn ich den Gedanken weiter ausführe lande ich in einer ACTA-blablabla-Debatte, aber hey, wenn ich etwas konsumieren möchte, sollte ich schon den Preis honorieren. Pathos und Moral hin oder her, aber auch der Künstler lebt nicht allein von Luft und Liebe.

Mit Skateboarding bin ich filmisch mehr oder weniger durch

Was steht bei dir jetzt als Nächstes an? Schon ein ähnliches Projekt geplant?
Dokumentarfilme. Ich habe vier Projekte am Laufen, zwei schon wirklich griffig, wovon eins mein Diplomfilm sein wird. Zwei weitere Projekte werden einige Jahre der Arbeit benötigen, liegen mir aber sehr am Herzen. Ähnlich werden die Projekte wohl nur noch in der Herangehensweise sein, also, der Arbeit mit Laien vor der Kamera, viel Raum und Zeit für Empathie und, ja, Kontemplation. Mit Skateboarding bin ich filmisch mehr oder weniger durch – monetäre Projekte nehme ich natürlich gerne an, aber was ich filmisch und dokumentarisch auf dem Herzen hatte, ist mit Pushed absolut gezeigt worden. Wofür ich vor allem den vier Protagonisten endlos dankbar für bin.

Wir werden ja jetzt die Outtakes bei uns auf der Seite zeigen. Was wird uns da genau an Material erwarten?
Teilweise sind es wirklich für sich stehende kleine Reportagen, etwa die Episode mit Pontus als Spotguide in Malmö oder das Porträt von Manfred Walther, dem Fotoladenbesitzer in Neukölln. Andererseits sind es lose Zusammenschnitte von Nonsens, Quatsch, guter Laune, Frustration und dem ein oder anderen Trick, der während des Drehs gestanden wurde. Wer den Film noch nicht gesehen hat, bekommt hier einen ganz guten Einblick in dessen Machart, würde ich sagen.

Facts:

Equipment: Sony HVR Z1, Mic & Microphon-Angel, PC & Adobe Premiere
Gesamtkosten: 10.000–15.000 Euro
Filmlänge: 80 Minuten
Gesamtes Filmmaterial: 160 Stunden
Drehdauer: 60 Tage
Schnittdauer: 6 Monate
Gesamte Arbeitszeit: 2 1/2 jahre

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