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Sicht der Dinge: Onlinestore vs Skateshop

Eines der großen kontroversen Themen im Skateboarding ist derzeit die Konkurrenz zwischen Online-Vertrieben auf der einen und Skateshops auf der anderen Seite. Wir haben Christoph Hartleib, den Chef von skatedeluxe und Simon „Esel“ Schöllhorn, den Captain von SHRN in München gebeten, das Thema einmal in der Öffentlichkeit auszudiskutieren. Und da die Antworten zu umfangreich waren für’s Heft, gibt es hier nochmal alles in voller Länge. Ring frei!

[Interviews: Niklas Isenberg | Fotos: Martin Jung/Leo Preisinger]

Simon, warum habt ihr in München einen weiteren Skateshop aufgemacht?
Simon: Jeder Shop in München hat seine Berechtigung. Wir sind halt ein kleiner individual Skateshop mit einer speziellen Gewichtung, die, glaube ich, sonst in München selten zu finden ist. Sohotrightnow war der Blog vom Robinson (Kuhlmann) und Daniel (Mitschke) und daraus ist dann im März 2013 der Shop SHRN entstanden.

Hi Christoph, wie bist du auf die Idee gekommen einen Online-Store für Skater zu gründen?
Christoph: Ich habe schon früh mit Skateboardfahren angefangen. Da ich auf dem Land wohnte, gab es keine Skateshops in der Nähe. Ich habe daher öfter im Internet bestellt. Die Auswahl und das Angebot war jedoch nicht zufriedenstellend. 2004 habe ich während meines Informatikstudiums in Jena mit 20 Jahren den Shop im Netz eröffnet.

Wie viele Leute arbeiten bei euch, wie viel Umsatz macht ihr und wie wollt ihr euch in den nächsten Jahren entwickeln?
C: Unser Angebot umfasst über 12000 Produkte von mehr als 200 Brands. Insgesamt arbeiten bei uns 100 Leute die einige tausend Kunden jeden Tag glücklich machen. Wir wollen Skateboarden weiter supporten, unsere Kunden zufriedenstellen und unseren Wurzeln treu bleiben.

Esel: Ich mag es einfach, mich mit den Verkäufern zu unterhalten und das Persönliche zu haben

Simon, wie viel Umsatz macht ihr ungefähr und wie viele Leute arbeiten bei euch?
S: Also Umsatz machen wir so viel wie der Blue Tomato Online Shop in ganz Lichtenstein! Ich bin das Mädl für alles und dann haben wir noch den Mixen als Aushilfe und Grafikboss. Es helfen aber auch immer Homeboys und Teamfahrer aus, wenn ich kurz weg muss. Tausend Dank dafür!

Was bietet ein Skateshop was ein Online-Store nicht bieten kann und umgekehrt?
S: Also auf jeden Fall mal die persönliche Beziehung. Ich kann auf die Kunden eingehen und ihnen z.B. kleinere Firmen viel besser näher bringen. Zum Anderen ist der lokale Skateshop auch immer ein Anlaufpunkt für die lokale Szene. Er organisiert Contests, Video-Premieren oder andere Sachen, die im Shop oder in der Stadt passieren. Der Vorteil an nem Online Shop ist halt, dass die Leute nicht mehr das Sofa verlassen müssen. Ein Mausklick und das Produkt ist am nächsten Tag im Briefkasten! Aber die Leute sollen heutzutage nicht so faul sein! Ich bin der Meinung, wenn man was Kleines wie ein Skateboard oder Schuhe haben will, kann man auch seine Beine benutzen und in den lokalen Skateshop gehen. Das hat ja früher auch geklappt!

Ist es nicht so, dass Online-Stores eine Möglichkeit für Skater auf dem Land darstellen, zügig und zuverlässig an ihren Lieblings-Stuff zu kommen?
S: Das mit Sicherheit. Die Frage ist, ob man das will. Ich persönlich supporte lieber kleine stationäre Läden. Auch wenn das mit ein wenig mehr Aufwand verbunden und manchmal ein klein wenig teuerer ist. Ich mag es einfach, mich mit den Verkäufern zu unterhalten und das Persönliche zu haben. Ich habe meine Jungend auch auf dem Land verbracht und es war immer ein sau-geiler Trip in die Stadt. Da konnte man super Skateshop und Skaten verbinden. Und jeder Shop hat ja auch durchgehend reduzierte Sachen. Da findet auch jemand was, der einen etwas kleineren Geldbeutel hat.

Christoph, was bietet ein Online-Store, was ein Einzelhändler nicht bieten kann, und umgekehrt?
C: Tag und Nacht gemütliches Informieren und Shoppen zuhause oder unterwegs mit dem Smartphone. Weiterhin eine sehr große Auswahl und Verfügbarkeit. Wir bieten auch Core Brands an, die nicht in jedem Laden zu finden sind, z.B. HUF, Polar Skateboards, Altamont, usw.

Wie versucht ihr den fehlenden persönlichen Austausch mit den Kunden zu kompensieren, um Glaubwürdigkeit herzustellen?
C: Der persönliche Kontakt zu den Kunden ist über Social Media, Hotline, E-Mail, Live Chat, Blog möglich. Unser Kundenservice ist nah am Produkt und der Szene und kann über eine Gratis-Hotline kontaktiert werden. Zudem stehen wir in engem Kontakt mit unserem Skate-Team und lassen deren Feedback in unsere Planungen einfließen.

Wie viel Prozent eurer Kunden leben in Städten bzw. in ländlichen Regionen und in welche anderen Länder liefert ihr?
C: Unsere Kunden sind in ganz Europa verstreut.

Der Skateshop ist so was wie ein Treffpunkt der Szene, organisiert lokale Events und ist der erste Sponsor von Talenten. Könnt ihr solche Funktionen übernehmen?
C: Ja klar, wir unterstützen unzählige lokale und auch überegionale Events. Unser Skate Team besteht aus Pros und auch angehenden Talenten.

Simon, ist es so, dass euer Shop trotz Facebook und Whatsapp als Treffpunkt wahrgenommen wird?
S: Auf jeden Fall. Ich bin hier selten alleine. Von jung bis alt lungern sie hier rum. Egal ob sie was kaufen wollen, sich mit Homeboys treffen, über die neuesten Gerüchte plaudern wollen oder einfach nur auf der Couch ein Bier, Kaffee oder Spezi trinken und Videos schauen möchten.

Spiegelt euer Klientel die Münchner Szene wieder oder hängen überwiegend Freunde und Bekannte bei euch ab?
S: Das Schöne am Skaten ist ja, dass eigentlich alle eine große Familie sind. Natürlich gibt es auch Skateboarder in München, die nicht bei uns abhängen. Dass ist auch total ok, aber im Großen und Ganzen kenn’ ich schon Jeden, der bei uns auf der Couch sitzt!

Was für Events habt ihr schon organisiert?
S: Wir versuchen mindestens einen Event im Monat auf die Beine zu stellen, egal ob Nikolaus-Glühwein & Friends, Videopremiere oder SHRN in the Streets mit Emerica. Total unterschiedliche Sachen, die uns halt gerade so bewegen und Spaß machen. 2014 machen wir wieder die X-Games in München. Der Erfolg war mittelmässig, aber dafür hatten wir mit dem Wetter Glück. ESPN ist zwar abgesprungen, aber der Olympiapark macht das jetzt mit uns! Dyrdek hat uns da wegen Streetleague auch schon angehauen.

Welche Talente supportet ihr in welchem Umfang?
S: Wir haben die Jungen und die Jung-gebliebenen, Skateboarder oder Leute aus dem Nachtleben. Sogar der Verkäufer von unserem Tante-Emma-Laden verkauft seine Wurst schon mal im SHRN Shirt, haha! Ansonsten versuchen wir allen Jungs in der Stadt zu helfen, zu dem zu kommen, was sie verdienen!

Christoph: Mit unserem Auftreten in der Skateszene und Angebot an ausgewählten Core-Brands sind wir der Meinung, ein guter Core-Shop zu sein

Christoph, plant ihr in Zukunft auch in den Einzelhandel zu gehen, wie manch anderer Online-Store oder glaubt ihr das langfristig alles ins Netz abwandert?
C: Ein Laden ist nicht geplant – es gibt ja bereits ausreichend lokale Core Shops, so dass wir da keinen Ausbaubedarf sehen. Wir wollen uns lieber darauf konzentrieren die Kunden im Internet glücklich zu machen. Ich glaube dass die Aktivitäten im Netz noch weiter zunehmen werden. Der lokale Core Shop ist jedoch ein wichtiger Baustein in der europäischen Skateboardszene.

Viele Einzelhändler beschweren sich, die Online-Stores würden ihre Existenz gefährden. Außerdem seien sie nicht „core“. Wie bewertest du diese Kritik?
C: Mit unserem Auftreten in der Skateszene (Contest, Skate-Team, Demos) und Angebot an ausgewählten Core-Brands sind wir der Meinung, ein guter Core-Shop zu sein.

Einige Kids sagen, dass die Preise für guten Stuff in Skateshops zu hoch sind. Was sagst du dazu?
S: Hmmm… Ist es nicht auch im Netz eher der Schrott der billig ist und das gute Zeug kostet genauso viel? Ich weiß nicht… Aber wer Geld sparen will, soll einfach sein Sponsor-Me-Tape mitbringen und wir schauen mal, ob man nicht was machen kann. Wenn er nämlich den Traum vom gesponserten Skater erreichen will, dann ist es gut mit den Shopleuten down zu sein. Es ist immer ein Geben und Nehmen!

Christoph, ihr habt ja auch viel Surf- und Streetwear-Stuff im Sortiment. Wie viel eurer verkauften Produkte stammen von Skatebrands und wie viel ist Skate-Hardware? Was glaubt ihr, wie hoch der Anteil an Skatern ist, die bei euch einkaufen?
C: Die Skatebrands machen schon den größten Teil der verkauften Produkte aus. Jedes fünfte verkaufte Produkt ist Skateboard-Hardware.

Wie sieht das bei euch aus, Simon?
S: Ungefähr 50% der verkauften Produkte ist Hardware. Das ist mir auch extrem wichtig. Wir sind ja schließlich auch ein Skateshop. Was die Brands betrifft, würde ich sagen, dass 80% der Ware von Core-Firmen sind. Also Firmen, wo der Chef noch selber skatet! Natürlich habe ich aber auch was von den großen Big Playern da, sonst wär die Butter auf meinem Abendbrot nicht möglich. Aber ich schaue, dass das immer im Rahmen bleibt!

Was glaubt ihr, wie hoch der Anteil an Skatern ist, die bei euch einkaufen und wie wichtig ist Laufkundschaft, die keinen Skate-Backround hat?
S: Ich würde sagen 80/20. Grundsätzlich bin ich offen für alle. Egal ob der Typ oder das Mädl skatet oder nicht. Die Skateboardmode war ja auch schon immer interessant für Leute, die nicht skaten. Mützen habe ich dieses Jahr auf jeden Fall mehr an Leute verkauft, die nicht Skateboard fahren, haha! Aber diese Leute sind auf jeden Fall wichtig fürs Überleben eines kleinen lokalen Skateshops! Nur von Skateboardern alleine, kann man nicht mehr überleben.

Christoph, arbeiten bei euch viele Skater und ist so was relevant bei eurer Planung?
C: Ein Großteil unseres Teams steht regelmäßig auf dem Brett. Zudem befindet sich eine Minirampe in unserem Office für die kurze Kaffe-Pausen-Session zwischendurch.

Simon, wie viel Wert legt ihr auf deutsche und generell kleinere Brands im Sortiment?
S: Wir haben sehr viel kleine Firmen im Laden, die wahrscheinlich nie die Aufmerksamkeit eines großen Online-Stores bekommen würden. Ist ja oft so, dass der lokale Skateshop sich die Arbeit macht, die Philosophie einer solchen Firma den Leuten näher zu bringen und irgendwann wird’s dann gehyped, und alle wollen es haben und die Firma sieht nur noch Dollar-Zeichen! Zum Glück gibt’s noch ein paar Firmen, die was dagegen haben, dass es ihr Produkt online gibt. Aber so ist nun mal der Lauf der Dinge. Money talks!

Christoph, welche Chance haben diese Brands bei euch im Vergleich zu den Big-Playern Sichtbarkeit zu bekommen?
C: Wir unterstützen mit Freude viele kleinere Brands, die den richtigen Background haben und vernüftige Produkte anbieten. Besonders die deutschen Skatebrands wie Mob Skateboards, Emillion, Cleptomanicx oder TPDG sind sehr gefragt.

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