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Nestor Judkins Interview

Nestor Judkins ist ein äußerst entspannter Zeitgenosse, der Ruhe und Besonnenheit ausstrahlt. Unruhig wird er nur wenn er sich zu lange am selben Ort befindet. Im Moment lebt der Mann mit den spanischen Wurzeln in New York, ist aber eigentlich sowieso ständig auf Achse, weshalb er im Zuge der RVCA Tour auch in Köln vorbeikam. Wir haben die Gelegenheit genutzt um uns mit ihm auf einen Kaffee hinzusetzen und ein bisschen über Skateboarding und den ganzen Rest zu sprechen.

Hi Nestor, du bist Adidas-Fahrer und hast spanische Wurzeln. Perfekte Voraussetzungen um während der Tour die EM anzusehen, oder?
Normalerweise interessiert mich Fußball nicht, aber unter bestimmten Voraussetzungen schaue ich es mir gerne an. Ich hab zum Beispiel Deutschland gegen Italien mit ein paar Freunden in Stuttgart gesehen. Für mich war am Interessantesten zu sehen, wie aufgeregt alle waren und wie sie mit Leib und Seele mitfieberten.

Deine Familie lebt in Madrid, richtig?
Ja, meine Familie lebt in Madrid. Meine Mutter kommt aus Madrid. Mein Vater ist Amerikaner, aber lebt jetzt auch in Madrid. Meine ganze Familie lebt da.

Wie hat deine Familie reagiert als du dich entschieden hast professioneller Skateboarder zu werden?
Es gab nicht den einen Moment an dem ich das so konkret gesagt hätte. Meine Eltern haben mich immer sehr unterstützt. Ich hab mit acht Jahren angefangen zu skaten und konnte mich glücklich schätzen Eltern zu haben die mich in den Skatepark gefahren haben, was mir und meinen Freunden erlaubt hat jeden Tag skaten gehen zu können. Sie haben uns auch geholfen Obstacles zu bauen. Sie haben mich wirklich sehr unterstützt.

Hast du dir denn je Gedanken über eine „normale“ Karriere gemacht? Gab es einen Alternativplan für dich, oder wolltest du es auf jeden Fall mit Skateboarding schaffen?
Ich bin schon in jungen Jahren gesponsort worden. Ich war 16 als ich meine ersten Sponsoren hatte und hab einfach weitergemacht. Glücklicherweise hat es seitdem mit Skateboarding geklappt, weshalb ich mir keine Alternative überlegen musste, aber ich hab ein paar Ideen. Ich war eine Zeit lang auf dem College, als es mit dem Skaten nicht so gut lief.

Was hast du studiert?
Einfach Fächer die mich interessiert haben. Ich war in vielen Kunst Kursen, Film und Fotografie. Das ist auch etwas das mich begeistert. Dabei ist es genau wie beim Skaten. Ich könnte jetzt nicht bewusst entscheiden, dass ich damit Karriere machen möchte. Deshalb bleib ich beim Skaten, weil ich das Glück habe meinen Lebensunterhalt mit etwas bestreiten zu können, das mir Spaß macht und mich interessiert. Alles andere was ich machen möchte ist abhängig von viel Glück. Ich werde sehen was passiert.

Du warst Am bei Santa Cruz und bist dann zu Enjoi gegwechselt wo du wieder zum Flow Fahrer wurdest. Das zeigt, finde ich, sehr gut, dass du Skateboarding aus großer Leidenschaft heraus betreibst und nicht, weil du versuchst möglichst erfolgreich zu sein.
Genau. Ich war ein paar Jahre Am auf Santa Cruz. Das war eine gute Zeit, ich war jung und hatte viele Freunde im Team, aber dann haben sich ein paar Dinge geändert und ich hab mich da nicht mehr wohlgefühlt. Dann kamen die Jungs von Enjoi auf mich zu, aber sie meinten eben ich müsse mich nochmal beweisen, was okay war. Es stimmt, für mich ist Skaten wirklich eine Leidenschaft, deshalb war ich, auch wenn ich dadurch wieder Flow war, froh darüber Enjoi Boards fahren zu können, von denen ich gehyped bin, und mit Leuten in einem Team zu sein die ich mag.

Ich hab gelesen, dass du dich nach deinem Transworld Part irgendwie leer gefühlt hast, dass du nicht wirklich wusstest was du machen solltest.
Ja, aber nur auf das Skaten bezogen. Das Transworld Video war eine ernsthafte Angelegenheit. Der Zeitplan war viel knapper als bei allen anderen Projekte für dich ich bisher gearbeitet hatte. Nachdem ich dann ein Jahr so viel darüber nachgedacht und so viel dafür gefilmt hatte, war ich so gewöhnt mir darüber Gedanken zu machen, als es vorbei war. Das fühlte sich seltsam an. Ich hab mich sehr darauf gefreut einfach skaten gehen zu können. Filmen und Footage zu sammeln macht zwar auch Spaß, aber ich hab mich darauf gefreut einfach nur mal wieder mit Freunden skaten zu gehen.

Steht jetzt nicht bald ein Enjoi Video an?
Stimmt. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube Ende des Jahres soll ein Video rauskommen. Aber es wird kein ganzes Video mit dem kompletten Team sein, sondern so wie es jetzt aussieht werden nur Cairo Foster und Ben Raemers Parts haben und dazu noch eine Montage mit dem restlichen Team oder möglicherweise noch Parts von Leuten die bis dahin genug Footage gesammelt haben. Heutzutage ist es schwierig richtige Full Length Videos zu machen, weil alle so beschäftigt sind mit vielen anderen Sachen. Es soll deshalb jedes Jahr so ein Video rauskommen und nächstes Jahr haben dann Wieger [van Wageningen] und ich Parts.

Wo du gerade von Ben Raemers sprichst. Ich hab gestern im Slap Forum einen Thread über seine Schwester gesehen. Hast du sie mal kennengelernt?
Ich hab sie nie getroffen, aber sie ist ein Hingucker. [lacht] Ben gegenüber hab ich das noch nie angesprochen, aber ich wurde von Freunden darauf angesprochen, die mir Fotos von ihr gezeigt haben.


[Pic: Hendrik Herzmann]

Du bist aktuell mit RVCA in Deutschland, gehst öfter auf Adidas-Tour und bist auch mit Enjoi unterwegs. Inwiefern unterscheiden sich die Touren mit den verschiedenen Teams?
Jeder Trip ist anders, weil immer andere Leute dabei sind, aber ich mag die Leute in allen Teams, deshalb macht es immer Spaß auf Tour zu gehen. Es sind immer unterschiedliche Erfahrungen. Ich war vor ein paar Jahren schon mal mit Enjoi in Köln und jetzt ist es schön nochmal mit RVCA hier her zu kommen. Ich mag es verschiedene Freundeskreise zu haben.

Du warst auch schon längere Zeit in Berlin.
Ja, ich war zwar jetzt schon zwei Jahre nicht mehr da, aber eine Zeit lang war ich viel in Berlin. Mein Freund Mark Nickels lebt da. Ich hatte mal eine Zeit lang keine eigene Wohnung und versuchte deshalb so viel wie möglich unterwegs zu sein. Wenn keine Touren anstanden bin ich eben nach Berlin und hab Mark besucht. Das habe ich ein paar Jahre lang mehrmals im Jahr gemacht. Ich freu mich schon darauf am Ende des Trips wieder nach Berlin zu kommen und werde versuchen ein bisschen länger zu bleiben.

Du scheinst gerne unterwegs zu sein, wenn du zwischen Skate Trips noch eigenständig losziehst. Was gefällt dir am Reisen?
Ich weiß nicht genau. Ich hab das mit meiner Familie in Spanien schon als Kind gemacht. Das gehört irgendwie zu mir und auch zu meiner Familie. Als mein Vater so alt war wie ich hat er lange in Europa gelebt. Mein Bruder ist jetzt auch nach Spanien gezogen. Wir kommen alle gerne nach Europa und da ich durch Skateboarden keine geregelten Arbeitszeiten habe ist das die perfekte Voraussetzung um auf Reisen zu gehen. Diese Chance nutze ich.

Was nimmst du von solchen Reisen mit? Sammelst du irgendwas Spezielles oder machst du viele Fotos?

Hauptsächlich Erfahrung, würde ich sagen. Die Fotos helfen dabei sich an die Orte zu erinnern. Das ist ein Hobby. Das wichtigste aber sind die Erfahrungen die man dabei macht, wenn man unterschiedliche Kulturen kennenlernt.

Wenn du dich selbst mit Fotografie beschäftigst, hast du da manchmal Probleme mit Skatefotografen, in der Art dass du andere Vorstellungen hast wie ein gutes Bild aussehen soll?
Nein, ich vertraue ihnen da und lass sie ihre Arbeit machen.

Ich hab gehört eine Besonderheit an deinem Set Up ist, dass du deine Achsen extrem locker fährst. Was ist der Vorteil daran?
Ich weiß nicht ob das irgendwelche Vorteile bringt, für mich ist das einfach normal. Es ist eben eine persönliche Vorliebe. So habe ich angefangen zu skaten. Anders könnte ich gar nicht fahren.

Gab es einen Grund warum du deine Achsen so eingestellt hast?
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, das ist schon ewig her. Ich fühl mich einfach wohl damit. Es ist genau wie mit Regular oder Goofy. Das passiert einfach so. Ich glaube die meisten meiner Freunde fahren ebenfalls sehr weiche Achsen. Als wir angefangen haben zu skaten hat sich das dann so ergeben.

Was steht jetzt als nächstes bei dir an?
Ich weiß das ehrlich gesagt gar nicht so genau, das muss ich jetzt erst planen. Nach der Deutschland Tour versuche ich eine Zeit in Berlin oder Stuttgart zu bleiben. Ich habe auch eine Wohnung in New York, wo ich vor einem Jahr hingezogen bin, dort würde ich auch gerne etwas Zeit verbringen um mich da einzuleben. Vielleicht komme ich dann im August wieder nach Europa.

Du hast gesagt, dass du auf dem College warst und verschiedene Kunst Kurse besucht hast. Machst du dir Gedanken darüber was du nach deiner Karriere als Pro Skater machen könntest?
Ich hab keinen wirklichen Plan. Wie schon gesagt könnte ich mir vorstellen nochmal zu studieren. Falls ich irgendwas künstlerisches machen könnte, wäre das schön, aber dazu braucht es die nötige Portion Glück die es auch im Skaten gebraucht hat. Ich hab in der Richtung jetzt noch nichts gemacht, würde das aber durchaus gerne. Der Lifestyle von Künstlern ist ja dem von Skateboardern nicht unähnlich.

Dann viel Glück damit und danke für das Interview.

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