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Skateboard Concerto – Interview mit Sebastien Carayol

Der Franzose Seb Carayol hat schon für diverse Skatemagazine Texte verfasst, hat gerade eben erst ein Buch über die 100 subversivsten Skateboardgrafiken rausgebracht (ein weiteres über FTC ist gerade in der Mache), er war einer der Kuratoren der Public Domaine Ausstellung in Paris und betreibt einen Blog, zum Thema Skateboarding und Musik. Ein wahrer Tausendsassa also und sein neuestes Projekt ist nun ein Konzert, bei dem ein Pianist live die Songs aus einzelnen Parts spielt, während die auf Leinwand gezeigt werden. Im Cons Space in Berlin fand die bisher letzte Aufführung statt und morgen wird eine weitere Folgen.

[Interview: Stefan Schwinghammer | Fotos: Katie Callan]


Sebastien Carayol & Fortunato d’Orio

Hi Seb, erzähl mal, wie war das Konzert gestern?
Das Konzert war super, der Kontrast zwischen dem klassischen Piano und der alten und heruntergekommenen Fabrikhalle hat sehr gut geklappt. Das Piano stand in Mitten der Menschenmenge, weshalb Fortunato d’Orio, der Pianist, auch meinte dass es, weil sich die Leute unterhielten, eines der am schwersten zu spielenden Konzerte war, die er bisher gab. Aber ihm hat das Experiment gefallen und er hatte viel Spaß daran.

Waren auch Fans klassicher Musik unter den Besuchern, oder waren es nur Skater?
Ich glaube es waren überwiegend Skater, die eventuell ihre Freundinnen oder Familien mitgebracht haben. Es waren auf jeden Fall auch Pianisten vor Ort, die mit Fortunato befreundet sind. Aber auch Skater kleiden sich mittlerweile ja wie Pianisten, deswegen kann man das nicht so genau sagen. [lacht]

Nicht jeder klassische Musiker ist bereit, Iron Maiden oder Black Flag zu spielen

Du hast diese Show das erste mal in Frankreich gemacht, wie kamst du auf die Idee, Livemusik zu Videoparts spielen zu lassen?
Ja genau, in Marseille. Vor zwei Jahren habe ich die „Public Domaine“ Ausstellung in Paris mitkuratiert, nach der Journalisten auf mich zukamen und fragten, welche Musik denn von Skateboardern gehört wird. Die Frage ist sehr schwer zu beantworten, aber der Kern der Szene hört die Musik, die auch in den Parts zu hören ist. Vor sieben Jahren startete ich auch meinen Blog „A Visual Sounds“, auf welchem Songs aus Videoparts zu finden sind, also Songs, die Skater hören. Schon lange habe ich mich gefragt, wie ich die der Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. Vor eineinhalb Jahren sah ich dann auf dem Fotofestival in Arles Musiker, die zu Fotos improvisierten. Daraufhin hab ich versucht, so etwas zu organisieren. Eine komplettes Symphonieorchester zu bezahlen war nicht möglich, außerdem sollte ein Kontrast entstehen, welcher von einem einzelnen, seriösen, klassischen Pianisten im Anzug wohl am besten geschaffen wird. Vor allem Fortunato scheint ja sehr ernsthaft, eigentlich ist er aber wirklich verrückt und mag es zu improvisieren. Während dem Konzert legte er sich zwischen den Songs z.B. grundlos auf sein Piano, improvisierte Geräusche und spielte danach weiter, als sei nichts gewesen. Ich bin sehr glücklich, ihn gefunden zu haben.

Marc Johnson – Fully Flared

Wie kamst du denn auf Fortunato, der ja keinen Bezug zu Skateboarding hat?
Er hat zwar keinen Skateboard Background, aber das Lustige ist, durch die Arbeit ist er jetzt Marc Johnson Fan und fragt mich ständig nach Sachen über Marc. Genauso wenig Bezug hatte ich zur klassischen Musik und stellte deswegen dem Organisator des Fotofestivals in Marseille die Idee vor und erkundigte mich, ob er einen Pianisten kenne, der mitmachen würde. Immerhin ist nicht jeder klassische Musiker bereit, Iron Maiden oder Black Flag zu spielen. Er hat mir Fortunato d’Orio empfohlen, der war sofort von dem Konzept begeistert. Ich schickte ihm den Song aus dem Part von Ray Barbee und Chet Thomas aus „Public Domain“ und zwei Wochen später bekam ich seine Klavierversion und wusste auf der Stelle, dass er der perfekte Mann für das Projekt ist. Man erkannte den Song, verlor also nicht komplett den Bezug, Fortunato brachte aber auch seinen eigenen Stil in das Stück ein.

Ihr haltet euch aber trotzdem an die Originalsongs. Gab es nie die Idee, einfach frei zu einem Part zu improvisieren?
Das war eine Idee, aber mir war es wichtig, die Lieder zu zeigen, die Skater kennen. Eventuell ist das eine Idee für das nächste Projekt. Fortunato improvisiert aber zwischen den Songs und am 16. Oktober 2013 improvisiert er im Rahmen von Cons Space auf ein achtminütiges Video von Mark Nickels, das im Cons Space entstanden ist. Das ist genau das, was Fortunato am liebsten macht. Wir haben uns auch dazu entschieden, nochmal fünf Songs von unserem ersten Konzert zu spielen.

Nach welchen Kriterien suchst du denn die Parts aus, die gezeigt und vertont werden?
Das hat viel Zeit gekostet. Erst dachte ich, ich wähle die Parts, in denen mir die Musik gefällt. Das waren ca. 100, dann sortierte ich aus, dann waren es 50, später 25 und dann 16. Ich wollte nicht nur die klassischen Skateparts, ich war auf der Suche nach Parts, die nicht zu viel Eindruck in der Szene hinterlassen haben, wie zum Beispiel Lennie Kirks Part in „Timecode“, in welchem aber die Gospelmusik einzigartig ist. Bei diesem Part dachte ich mir, dass das sehr interessant wäre, auf dem Piano zu hören. Das ist ein Part, den eher weniger kennen, im Gegensatz zum Jeff Grosso Part im „Streets on Fire“ oder dem Guy Mariano Part in „Mouse“. Ich versuchte, sowohl bekannte, als auch eher unbekannte Parts zu benutzen und die Musikgenres auszubalancieren. Fortunato hatte auch viel Mitspracherecht, weil viele der Songs am Piano nicht funktionieren. Ich dachte Funk, z.B. Rick James würde klappen, aber das ging einfach nicht. Zuerst wollte ich auch den Mark Gonzales Part aus „Video Days“, aber aus moralischen Gründen wollte Fortunato die Musik nicht auf Papier bringen. Grund dafür ist, dass John Coltrane seine Musik improvisierte und laut d’Orio darf Improvisiertes nicht notiert werden.

Jason Jessee sagte, dass er bei Jeff Grossos Part Tränen in den Augen hatte

Sind jetzt in Zukunft noch weitere Konzerte geplant?
Die Jungs vom Cons Space in Berlin haben die Clips auf der Arte Creative Webseite gesehen und dann kamen wir ins Gespräch. Sie waren überrascht, wie begeistert das Publikum war. Gestern war auch Jason Jessee bei der Show und erzählte nach dem Konzert, dass er bei Jeff Grossos Part Tränen in den Augen hatte, wobei man von Jason wirklich nicht glauben würde, dass er so emotional ist. Er kam danach dann zu uns, um noch Fotos zu schießen und war sehr berührt. Wir haben die Sachen eigentlich noch nie den Fahrern, die auch im Video vorkommen, gezeigt, aber ich denke durch Instagram haben sie schon Fotos davon gesehen. Es war eben bisher nur die Show in Marseille, ich hoffe aber, dass wir damit irgendwann auch in Amerika auftreten können. Die Sache ist aber, dass ich das mit keinem anderen Pianisten als Fortunato d’Orio machen will und hoffe, dass ich jemanden finde, der die Gelder für die Reise aufbringen möchte. Eine Minitour durch die USA wäre cool, bisher ist aber noch nichts geplant.

Guy Mariano – Mouse

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