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Szene aus dem Spielfilm Skatergirl - Der Hauptcharackter und Ihre Freune stehen zusammen mit Ihren Skateboards auf einem Feld

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Können Skateboards die Welt verändern?

Der Spielfilm ,,Skater Girl” zeigt auch die Probleme von Freiwilligenarbeit in Indien und anderswo 

 

Ein Spielfilm über indische Skaterinnen auf Netflix? Ich war misstrauisch. Mädchen, die sich gegen männliche Skater behaupten, bevor es zu einem kitschigen Happy End kommt? Doch so platt ist Skater Girl nicht.

Der Film von Manjari Maikjani, die in Mumbai aufwuchs und nun in L.A. wohnt, spielt in dem indischen Dorf Khempur. Die 15-jährige Prerna entdeckt über die Jessica ihre Leidenschaft für Skateboards. Jessica, die moderne, junge Werbefachfrau, sucht im Dorf nach den Wurzeln ihres Vaters und trifft zufällig auf Erick, einen alten Freund, der die Kids mit seinem Skateboard begeistert. Die Freiheit von Skateboarding bringt Prerna in einen Konflikt zwischen traditionellen Erwartungen und eigenen Träumen.

Vieles passiert im Film sehr schnell. Schon nach 35 Minuten hat das Gros der Kids Skateboards, natürlich von Jessica (Amy Maghera), der mitfühlenden europäischen Frau. Flott bauen Volunteers einen Skatepark, darunter Atita Verghese, einer der ersten indischen Skaterinnen. Der Showdown: Am Tag eines großen Contests soll  Prerna eine arrangierte Ehe eingehen.

Statt krasser Tricks bietet der Film authentische Bilder des ländlichen Lebens. Aber was ist mit der Story? Ich sehe den Film als privilegierte europäische Frau, die seit vielen Jahren skatet und 2015/16 Teil der “Girl Skate India Tour” war. Das gibt mir einen Einblick, auch wenn ich mir nicht anmaße, die Lage von Frauen oder Mädchen in Indien ganz nachvollziehen zu können.

Zu den Schwächen der Geschichte zählt, dass die indischen Hauptfiguren wenig ausgeleuchtet sind: Warum interessieren sich die “Westler” gerade für Prerna? Wie konnte diese heimlich skaten und ihr Brett vor der Familie verstecken? Während solche Fragen offen bleiben, geht es sehr viel um Jessica, um ihre Hilfsbereitschaft, Selbstzweifel und Identitätssuche.

Positiv ist hingegen, dass die Dorfbevölkerung nicht nur schlecht wegkommt, auch wenn sie das Skaten ablehnt. Jessica und Erick arbeiten mit einem Einheimischen zusammen. Schön ist, dass die skatenden Kids unter sich keine geschlechtlichen Unterschiede machen – und auch die  Volunteers eine  heterogene Gruppe von Freunden sind.  Die Sonderrolle “Frau” wird an Prerna deutlich und an den Herausforderungen, vor denen sie steht.

Erfreulicherweise diente der Drehort nicht nur als Kulisse. Der großzügige “Desert Dolphin Skatepark” ist seit 2019 eine öffentliche Anlage, laut Webseite rege genutzt. Der Cast wurde aus tausenden Kids ausgewählt, die vorher nicht skaten konnten. Die Hauptcharaktere Rachel Saanchita Gupta aus Delhi als Prerna und Shafin Patel aus Mumbai als Prernas jüngerer Bruder Ankhush wurden mit Improvisations-Expressions-Workshops und einem Skate-Camp vorbereitet.

Etwas fragwürdig ist hingegen die Herkunft der Story. Asha Gond, Skateboarderin und Mitgründerin der NGO “Barefoot Skateboarders”, hat kritisiert, dass der Film ihre eigene Geschichte erzähle, ohne sie zu würdigen. Parallelen gibt es: Asha Gond stammt aus einem kleinen, armen Dorf im Bundesstaat Madhya Pradesh. Dort errichteten Volunteers 2015 unter Federführung der Deutschen Ulrike Reinhard einen Skatepark. Trotz der teils ablehnenden Stimmung im Dorf widmete sich Asha Gond dem Skaten. Regisseurin Manjari Maikjani bleibt aber dabei, dass die Story fiktiv sei.

“Skater Girl” erzählt eine besondere, aber auch typische Geschichte. Von Volunteers errichtete Skateparks implementieren inzwischen Skateboarding in viele Länder, die es vorher nicht kannten. Die Beteiligten wollen Gutes tun. Funktionieren kann das aber nur, wenn lokale Strukturen und die Menschen vor Ort einbezogen werden. Kann Skateboarding die Welt retten? Es sorgt  für Momente von Spaß und Freiheitsgefühlen. Was dann daraus wird, ist so offen wie das Ende des Films: Prernas Entscheidung wird gezeigt, aber was diese für ihre Zukunft bedeutet, muss sich das Publikum ausmalen.

Text: Linda Ritterhoff @_linda_rtf

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