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Bobby Puleo Interview – extended version

In der aktuellen MSM #279, unserer NY Ausgabe, sprechen wir mit Bobby Puleo über sein Skateboarding und seine Kunst – da Papier zwar geduldig, aber leider auch endlich ist, nutzen wir die Narrenfreiheit unserer Website, um euch die extended Version nachzuliefern.

Puelo, ein Kickflip und ein Spot, der eigentlich keiner ist / Photo: Mehring

Denn ausser Krimskrams zu sammeln und vernerdete Spots zu skaten, kann Puleo auch noch so einiges anderes – beispielsweise Göring zitieren. Einen tiefgehenderen Blick hinter die Stirn des verschrobenen Wahl-New Yorkers gibt es nach dem Klick auf


Der differenzierte Blick
Auf Sammelodysee mit Bobby Puleo

New York ist der Nährboden für so manche Absonderlichkeit. Es gibt diverse Möglichkeiten, die Energien und die schier unbegrenzten Möglichkeiten der Stadt zu nutzen – wer wüsste das besser als ein Vollblutskater wie Bobby Puleo, der den Moloch, der ihn umgibt, täglich neu auf dem Skateboard erkundet? Immer auf der Suche nach einem neuen, ungewöhnlichen Spot und immer bereit, zu empfangen, was die Stadt mit ihm teilen möchte, ist Bobby die Grossstadt-Neuauflage des Jägers und Sammlers. Sein Skateboarding wie seine Kunst erzählen von dieser aussergewöhnlichen Beziehung eines aussergewöhnlichen Skaters zu einer aussergewöhnlichen Stadt.
Hier, auf unserer Website, haben wir nun auch genug Platz, um euch die volle Breitseite Puleo zu präsentieren, so, wie wir ihn erleben durften: Ein schwieriger Interviewpartner, der sich eher simplen Fragen verweigert, wenn man ihm die Chance dazu gibt. Der gefordert werden will und der, wenn man ihn erstmal soweit hat, mit wilden Zitaten um sich wirft. Viel Spass mit der extended version.

Du bist in New Yersey aufgewachsen. Was macht New York zu der Stadt, in der du leben willst?
Diese spezielle Energie, die in einer so riesengrossen Stadt entsteht, in der so viele Menschen auf so kleinem Raum zusammenleben. Ich denke, es gibt eine Art kosmischer Energie, die all diese vielen Menschen zu diesem einen Platz gezogen hat, eine Art magnetischer Energie. Menschen sind schliesslich auch Energie, wenn also viele Menschen zusammenleben, kreiert das noch mehr Energie.

Du erkundest die Stadt vor allem mit dem Board. Was ist deine Motivation?
Neue Spots. Irgendetwas, das schwer zu skaten und für andere schwer zu finden ist.

Puleo zeigt die Sammlung / Photos: Debert

Ist es für dich ein wichtiger Teil des Prozesses, Spots erst finden zu müssen, bevor du sie skatest?
Es zeigt einfach die Arbeitseinstellung. Ausserdem treibt es den Sport voran und hilft mir dabei, mich zu differenzieren. Aber vor allen Dingen macht es einfach Spass, einen neuen Spot zu erobern.

Hast du eine spezielle Suchmethode?
Mein Kopf führt mich. Normalerweise habe ich eine Idee, nach welcher Art von Spot oder nach welchem Bereich der Stadt ich mich fühle und nehme das als Ausgangspunkt.

Wie sieht es mit selbstgebauten Spots aus?
Ich versuche, nichts an gebauten Spots zu filmen. Manchmal braucht ein Spot vielleicht eine kleine Reparatur, aber die meiste Zeit versuche ich sie, so gut es geht, in dem Zustand zu skaten, in dem ich sie gefunden habe.

Siehst du Skateboarding immer noch als Beruf?
Ich habe einen ganz normalen Job nebenher, aber nur, weil Skateboarding mir nicht meine Rechnungen bezahlt. Es nervt, meine Zeit für die Arbeit verbrauchen zu müssen, statt skaten gehen zu können. Aber ich kann meine Sponsoren nicht zwingen, mich zu bezahlen. Ich könnte quitten, aber dann würde ich nicht mal mehr Stuff bekommen. Ich könnte neue Sponsoren finden, aber es gibt nicht viel da draussen, was ich mag. Ich mag meine Sponsoren, auch wenn ich sie noch lieber hätte, wenn sie in der Lage wären, mich zu supporten. Ich denke, dass die meisten Skateboardbrands wack sind. Die meisten folgen Trends, statt sie zu schaffen.

Hat sich Skateboarding in all der Zeit für dich verändert?
Nicht wirklich. Es geht immer noch darum, konstant zu lernen, kreieren und perfektionieren. Skateboarding ist Übung, Meditation und Behelfsmittel.

Hast du viel Kontakt mit Skatekids? Versuchst du, ein Vorbild zu sein?
Nur, wenn es sein muss. Das hängt von den Umständen ab.

Erzähl’ uns doch was über deinen Brand „Victim“.
„Victim“ ist eine Ideologie, eine Einstellung und eine Art, zu leben. Oder, um Sy Syms zu zitieren: „Der gebildete Kunde ist der beste Kunde“.

Es macht für dich also einen Unterschied an wen du verkaufst? In welchen Stores dein Brand verkauft wird?
Nein.

Wohin soll es gehen mit „Victim“?
Zu den Sternen und zurück.

Ein Blick in den Blog zeigt, dass du immer noch sehr an den Verschwörungstheorien zum 11. September interessiert bist.
Ist die „offizielle“ Story nicht auch eine Verschwörungstheorie?

Nun, ja, doch. Und sie klingt auch ziemlich unglaublich. An welche Theorie glaubst du? Oder glaubst du einfach nur die offizielle nicht?
Für mich gibt es genau eine Theorie, die wenigstens ein bisschen Sinn macht: Die Türme wurden absichtlich zerstört, als Rechtfertigung für einen Krieg gegen jedes Individuum auf diesem Planeten. Eine Zusammenführung von Macht und Kontrolle.

Denkst du, eine „normale Person“ hat überhaupt eine Chance, herauszufinden, was wirklich passiert ist?
Da müssten wir jetzt erstmal definieren, was genau eine „normale Person“ ist.

Hmm, na sagen wir: Ein Erdenbürger mit Internetzugang, egal wo, der kein rotes Telefon mit einer Standleitung ins Oval Office hat und dessen Bruder nicht für den CIA arbeitet.
Okay, dann müssten wir uns noch folgendes ansehen: a) Welche Art von Information ruft diese Person ab, falls überhaupt, denn die meisten Menschen sind fähig, einfach alles zu glauben, was ihnen ihr Fernseher erzählt und b) basierend auf der Glaubwürdigkeit dieser Information, was diese Person glauben will. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten, Information zu manipulieren. Ist die Person in der Lage zu erkennen, dass sie manipulierbar ist? Kennt sie die Geschichte der Manipulation von Information? Die Geschichtsbücher verbreiten einige der haarsträubendsten Unwahrheiten, von denen ich jemals gehört habe.

Wie bewertest du denn die Informationen, die du dir suchst? Wie du schon sagst, Informationen sind manipulierbar und jeder Mensch kann im Internet eigenartigen Irrsinn publizieren…
Ich benutze meine Intuition, meinen eingebautes Wahrheitsinstrument, sozusagen. Jeder Mensch hat so etwas. Einige begraben es tief in sich, einige sind sich nicht bewusst, dass es in ihnen existiert. Einige ignorieren es, einige pflegen es. Einfach gesprochen: Wenn es läuft wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente.

Welche Websites nutzt du in dieser Hinsicht am meisten?
Infowars.com

Warum interessierst du dich für all das?
Wissen ist Macht.

Fühlst du dich manchmal bedroht?
Fast nie.

Wie siehst du den neuen Präsidenten der USA?
Er ist eine Marionette, genau wie die anderen. Präsidenten sind mittelmässige PR-Leute, die an ihren Platz gesetzt wurden um die Politik der Plutokraten, der CFR, der Fortune 100 und der globalen Eliten zu verkaufen. Ich spreche da eher in genereller Hinsicht, denn alle dieser Interessenträger sind auf die eine oder andere Art miteinander verbunden.

Warst du jemals in Deutschland? Welche Rolle spielt das Land in den Verschwörungstheorien?
Nun, um Joseph Göbbels zu zitieren: „Wenn man eine Lüge nur oft genug wiederholt, dann wird sie geglaubt. Die Lüge kann aufrecht erhalten werden, solange der Staat das Volk von den politischen, ökonomischen und militärischen Konsequenzen der Lüge abschirmen kann. Es wird daher überlebenswichtig für den Staat, seine ganze Kraft aufzubringen, Widerspruch zu unterdrücken, denn die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge, was die Wahrheit zum grössten Feind des Staates macht“.
Um Hermann Göhring zu zitieren: „Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg. Aber schliesslich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. … das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.”
Und um Hitler zu zitieren: „In der Grösse der Lüge liegt immer ein gewisser Faktor des Geglaubtwerdens, denn die breite Masse eines Volkes kann im tiefsten Grund ihres Herzens eher verdorben werden als dass sie bewusst und absichtlich schlecht sein wird, mithin fällt sie bei der primitiven Einfalt ihres Gemütes einer grossen Lüge leichter zum Opfer als einer kleinen, da sie selber ja wohl manchmal im kleinen lügt, jedoch vor zu grossen Lügen sich doch zu sehr schämen würde.“
Dann sollte ich an dieser Stelle noch Hegels Dialektik erwähnen, „These + Antithese = Synthese“.

Du denkst also, dass das dritte Reich und seine Ideologie noch bis heute beeinflusst, was in der Welt passiert?
Nun, zum einen war es nicht genau dieses Regime, das diese Ideen entwickelt hat. Vielmehr sind sie, in vielerlei Hinsicht, simple „Wahrheiten“. Sie sind einwandfreie Geschäftsstrategien und eine effektive Art, Menschen und Ideen zu kontrollieren. Die Regeln bleiben gleich. Und die Spieler meistens auch.

Glaubst du, dass du eine Veränderung herbeiführen kannst dadurch, dass du diese Informationen suchst, filterst und teilst?
Noch einmal: Wissen ist Macht. Es gibt keine „amerikanische“ oder „geheime“ Gesellschaft. Alles liegt offensichtlich vor uns, nicht versteckt, nicht geheim. Es hängt alles davon ab, was man in der Lage ist zu empfangen. Was man in der Lage ist zu sehen.

Wie lange sammelst du schon „Strassenschätze“?
Seit ich ein kleines Kind war. Ich habe damals in New Jersey schon immer Eicheln und Walnüsse gesammelt. Ich habe auch Glühwürmchen gesammelt und kurz sogar Schlangen. Mein Vater brachte immer allen möglichen verrückten Kram von der Arbeit mit nach Hause, er sammelte ebenfalls gerne alles Mögliche. Mein Onkel war auch so, sein ganzes Haus war voll gepackt mit verschiedenstem Zeug. Die italienische Seite meiner Familie hat einfach eine Vorliebe für Schnickschnack. Meine „Stadtsammlung“ begann ich erst später, als ich nach New York kam.

Und irgendwann hast du dich dazu entschieden, grössere Werke aus den kleinen Fundstücken zu machen.
Ja, seit ich vor 10 Jahren in die Stadt gezogen bin, habe ich immer bestimmte Dinge auf dem Boden gefunden. Ich habe angefangen, ein bestimmtes Muster darin zu sehen, Kategorien zu finden für meine Fundstücke. Es liegt soviel Scheiss auf der Strasse herum in New York und als Skater schaue ich ja sowieso andauernd auf den Boden. Als erstes waren es vor allen Dingen Photos. Ich fand andauernd private Bilder, die sind wirklich der Wahnsinn. In Vororten findet man nie Photographien, aber besonders Uptown, andauernd! Ich habe Bilder von Neugeborenen gefunden, oder wirklich intime Hochzeitsfotos. Man fragt sich zwangsläufig, wie so was im Rinnstein endet. Ich habe auch zerrissene Fotos gefunden, die ja offensichtlich Zeuge eines sehr emotionalen Moments sind, welcher Art auch immer, der dazu geführt hat, dass sie zerrissen und weggeworfen werden.

Interessiert es dich, was andere Leute denken, wenn sie dich Müll auflesen sehen?
Nein. Für mich ist es kein Müll. Für mich haben diese Dinge mehr Wert als deren Geld. Oder alles, was sie als „Wert“ verstehen. Geld ist dekoriertes Papier.

Stellst du auch aus?
Sozusagen. Ich habe in einem gewissen Sinne jeden Tag eine Ausstellung. Jeden Tag kehre ich mit einem neuen Fund nach Hause zurück, der dann in einer grösseren Sammlung aufgeht, die dann zu einem grossen Gesamtwerk beiträgt – aber es nicht abschliesst, denn wann ist irgendetwas schon wirklich „fertig“?

Gibt es eine Message hinter deinem Schaffen?
Es gibt keine wirkliche Message. Ich denke, meine Arbeiten ermutigen vielleicht dazu, einen differenzierteren Blick auf seine Umgebung zu wagen.
Ich meine, eigentlich sammele ich ja nur Dinge auf, die andere Menschen aussortiert haben. Ich ordne ihnen wieder eine Wertigkeit zu, durch meine Aufmerksamkeit. Dann sortiere ich sie ein und präsentiere sie in einem anderen Kontext neu.

Denkst du, du könntest in irgendeiner Stadt dasselbe Leben leben?
Wahrscheinlich nicht genau so. Aber ähnlich. Ich bin mir sicher, dass ich ein Muster oder eine Kategorie finden und nach ihr Sammeln und Anhäufen würde.

Welchen Rat würdest du einem Skater geben, der das erste Mal nach NYC kommt?
Bleib’ zuhause.

Bobby Puleo fährt für Traffic Skateboards, Venture, HiFi, and VKTM BRND

Eric Mirbach

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